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Athen: Das »beste Hotel Europas« kurz vor der Räumung?

Versorgungszentrum für Geflüchtete erhielt Räumungsklage / Über 400 Bewohner, darunter 150 Kinder würden ihre Bleibe verlieren

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

Acht Jahre lang stand das Hotel im Athener Stadtbezirk Agios Pandeleimon leer. Bis am Morgen des 22. April 2016 Geflüchtete und AktivistInnen die Initiative ergriffen – und das siebenstöckige Hotelgebäude besetzten. Das City Plaza hat sich seitdem zu einem wichtigen Versorgungszentrum für Geflüchtete entwickelt. Über 400 Gäste beherbergt das einstige Hotel. Und außerdem eine Apotheke, einen Friseursalon und eine Bücherei. Sprachkurse werden hier ebenso angeboten wie eine Rechtsberatung. All dies scheint nun in Gefahr.

Mit einer Petition an die griechische Regierung wenden sich die Besetzer des ihrer Meinung nach »besten Hotels Europas« an die Öffentlichkeit. In ihr berichten sie davon, dass sie am 7. Juni eine Räumungsklage erhielten. Dass die Räumung bevorsteht, bestätigte auch eine parlamentarische Anfrage der linken Partei anasintesi.

In der Mitteilung sprechen die AktivistInnen davon, dass der Gerichtsbeschluss zur Räumung des City Plazas nur ein weiterer Beweis für die repressive Härte sei, mit der der griechische Staat gegen Geflüchtete und die Solidaritätsbewegung vorgehe. Neben dem City Plaza sind mit dem Papouchadiko and Zoodochou Pigis 119 zwei weitere Projekte in Athen von einer Räumung bedroht. Die auf change.org eingereichte Petition hatte nach wenigen Tagen bereits über 2500 UnterstützerInnen.

Helene Gottwald, seit acht Monaten im City Plaza aktiv, kommentierte die angekündigte Räumung gegenüber »nd« mit den Worten: »Die Unterbringung von Geflüchteten in Europa ist immer noch unzureichend. Solange die Europäische Union weiter eine solch repressive Politik macht und sich statt an der Würde der Menschen an der Erhaltung von Wohlstand orientiert, sind Orte wie das City Plaza unverzichtbar.«

Auch anderswo bewegt die bedrohliche Lage: In Dresden und Berlin, in Calais und Madrid gab es Solidaritätsaktionen mit dem sozialen Zentrum.

Eine Räumung würde die über 400 Bewohner zurück in die bereits völlig überfüllten griechischen Aufnahmelager für Geflüchtete drängen – oder in die Obdachlosigkeit. »Es ist nicht nur ihre Behausung, die damit in Gefahr gerät«, schreibt das City Plaza in seiner Mitteilung. »Auch ihre Gesundheit und Sicherheit wird aufs Spiel gesetzt.« Helene Gottwald will noch nicht klein bei geben: »Das City Plaza ist ein real-existierendes Beispiel dafür, wie die Unterbringung von Geflüchteten funktionieren kann – selbstverwaltet statt fremdbestimmt. Wenn man eine Weile hier lebt, vergisst man schnell, was für ein großartiges Experiment das ist.« Ein Experiment, für das die AktivistInnen kämpfen wollen. Im Internet mit einer Petition, voraussichtlich Ende Juni mit einer großen Demo auf den Straßen Athens.

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