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Wenn müde Medien weinen

Der Skandal ist kein Skandal, meint Karlen Vesper zu dem Streit um das Sachbuch »Finis Germania«

»Schläft die Republik?«, fragte Kurt Tucholsky: »Die Republik schnarcht.« Die geschichtsvergessen-rückwärtsgewandte, rechtslastige und rechtäugig blinde Weimarer Demokratie befeuerte seinen zornigen Spott. Der hätte ebenso der Berliner Republik gegolten. Nicht nur ob staatlicher Generosität gegen Rechts, auch die publizistische Zunft bekleckert sich nicht mit Ruhm. Der Skandal ist kein Skandal, sondern Normalität. Seit Jahr und Tag.

Worum geht’s? Der NDR kündigte der Jury »Sachbücher des Monats«, weil sie »Finis Germania« kürte, erschienen posthum in einem rechten Verlag, verfasst von einem Historiker der Neuen Rechten, dessen Suizid 2016 »SZ« und »FAZ« beweinten: Ein »unerschrockener, rationaler Denker« und »poetischer Freigeist« sei verschieden. Wie bitte? Spätestens seit 1995, seit der »Konservativen Revolution« des Nolte-Schülers Rolf Peter Sieferle weiß man um dessen Geschichtsrevisionismus, der sich paarte mit Rassismus und Rückwärtsgewandtheit, die moderne Kunst und Kultur »schief, falsch, verdreht, also links« denunzierte. Im gleichen Jahr erschien in einem großen, 1934 »arisierten« Editionshaus von dessen Gesinnungskumpan Karlheinz Weißmann ein relativierender »Weg in den Abgrund«. Aufregung auch damals, lautes Greinen. Schwüre der Wachsamkeit. Um hernach wieder müde ein Äuglein zuzudrücken. Das rechte, versteht sich.

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