Von Ellen Wesemüller

Frauen vor, noch ein Tor

Ellen Wesemüller rechnet die neue Vorstandsquote der CDU nach

Die Berliner CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters steht nach ihrer Wiederwahl in Berlin beim Landesparteitag der CDU Berlin mit dem Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers (l), und Florian Graf, Vorsitzender der CDU-Fraktion und Oppositionsführer im Berliner Abgeordnetenhaus, zusammen.
Die Berliner CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters steht nach ihrer Wiederwahl in Berlin beim Landesparteitag der CDU Berlin mit dem Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers (l), und Florian Graf, Vorsitzender der CDU-Fraktion und Oppositionsführer im Berliner Abgeordnetenhaus, zusammen.

Die CDU bejubelt auf ihrer Facebook-Seite den neuen Landesvorstand: »Erstmalig beträgt der Frauenanteil 50 Prozent.« Zählt man allerdings die Köpfe auf dem Foto, kommt man auf lediglich zehn Frauen und zwölf Männer. Der Social-Media-Redakteur der Konservativen hat anscheinend keine guten Rechenkenntnisse - was sicher dem Berliner Schulsystem anzukreiden ist.

Vergeben muss man den Verlierern der Abgeordnetenhauswahl ihre Freude über die absolut glaubwürdige geschlechterpolitische Kehrtwende jedoch schon deshalb, weil im März noch eine ganz andere Quote galt: Als es um den Bundestag ging, wiesen nur zwei der zwölf Kandidaten klassisch weibliche Merkmale wie längere Haare und Schminke auf. Aber da ging es ja auch um den Bundestag.

Schaut man sich die von der modernen CDU gegeißelten unmodernen rot-rot-grünen Landesvorstände an, stellt man fest: Grüne: vier Frauen, drei Männer, LINKE paritätisch besetzt mit zehn zu zehn. Allein die SPD hinkt mit 16 Frauen und 22 Männern hinter den Konservativen her. Im Spiel Konservative gegen Sozialdemokraten stünde es immerhin 1:0 für die CDU.

Blöd nur, dass Repräsentationspolitik längst schon eine politische Auseinandersetzung von vorgestern ist, denn dass eine Bundeskanzlerin patriarchale Politik machen kann, hat sich inzwischen herumgesprochen.

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