Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Friedensdemo von Muslimen kleiner als erwartet

Zum Kölner Protest gegen Gewalt im Namen des Islam kamen nur 1000 Teilnehmer

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

«Nicht mit uns - Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror» war das Motto der Demonstration, die von der liberalen Islampädagogin Lamya Kaddor und dem Friedensaktivisten Tarek Mohamad, am Samstag in Köln veranstaltet wurde. Die beiden Muslime hatten sich nach dem Anschlag auf der London Bridge vor zwei Wochen entschieden, dass es nun Zeit sei, ein deutliches Zeichen gegen Terror im Namen des Islam zu setzen. Dafür hatten Kaddor und Mohamad alles in ihrer Macht stehende getan. Sie waren von Pressetermin zu Pressetermin getingelt, hatten Gespräche mit islamischen Gemeinden geführt und nach prominenten Unterstützern gesucht. Zumindest letzteres ist den beiden gut gelungen. Auf der langen Unterstützerliste für die Demonstration findet sich ein Gutteil der deutschen Politprominenz. Vom SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz über Cem Özdemir (Grüne) und Christian Lindner (FDP) bis zum kommenden NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ durch ihren Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen, dass die Kanzlerin die Demonstration begrüße. Von den prominenten Unterstützern waren dann aber nur die wenigsten gekommen. Und auch viele Muslime blieben zu Hause.

Zwar war es Kaddor und Co. Gelungen, den Zentralrat der Muslime für die Demonstration zu gewinnen, doch der türkische Verband DITIB versagte ihnen die Unterstützung. «Muslimische Anti-Terror-Demos» würden die Muslime stigmatisieren, zudem sei es zu warm, um im Ramadan am Mittag zu demonstrieren, teilte DITIB mit. «Man werde in allen Gemeinden aber ein Friedensgebet durchführen. Auch von einer anderen Seite wurde der Demonstration die Unterstützung versagt. Viele migrantische Islamkritiker kritisierten das Vorhaben. Man könne nicht mit dem Zentralrat, dem eine Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt wird, oder Erdogans DITIB glaubhaft gegen den Terror demonstrieren. Ein weiterer Vorwurf: Es fehle an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Islam.

Die Veranstalter ließen diese Vorwürfe links liegen und versuchten es trotzdem. Dabei wurden sie enttäuscht. Viel mehr als 1000 Menschen beteiligten sich nicht. Tarek Mohamad und Lamya Kaddor machten daraus auch kein Geheimnis. Mehrfach wurde von der Bühne die geringe Teilnehmerzahl beklagt und DITIB direkt kritisiert. Es gebe keinen Grund, im Ramadan nicht an einer Demo teilzunehmen, erklärte Kaddor. Die prägnanteste Rede in Köln hielt Kabarettist Fatih Çevikkollu. Natürlich distanziere er sich als Muslim von Islamisten, als Deutscher vom NSU, als Türke von Erdogan und als Autofahrer von Rasern. Çevikkollu brachte die Botschaft, die von der Demonstration ausgehen sollte, am besten unter die Demonstranten. Terror habe nichts mit Religion zu tun, hieß es in vielen Reden, und man müsse sich nicht von etwas distanzieren, womit einen nichts verbinde.

Lamya Kaddor und ihre Mitstreiter wurden von den großen Islamverbänden ignoriert. Einzig die Ahmadiyya-Gemeinde war mit vielen Menschen, T-Shirts und Transparenten deutlich präsent. Islamhasser dürften die Kölner Demonstration in Zukunft ausschlachten. Für sie ist es ein Beweis, dass Muslime sich nicht von Gewalt im Namen der Religion distanzieren. Kommentar Seite 4

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln