Von Andreas Fritsche

Moderne Anzeigetafeln für Elvira

Im Ostbahnhof tüftelt ein Labor daran, Informationen für Bahnfahrer zu vereinheitlichen

Wie es weitergeht, blieb auf den alten Anzeigetafeln ein Geheimnis.
Wie es weitergeht, blieb auf den alten Anzeigetafeln ein Geheimnis.

Elvira ist Rentnerin, hat kein Smartphone und schaut auf den Fahrplanaushang, wenn sie mit der Bahn reist. Es gibt in der Bundesrepublik viele Menschen wie Elvira. Aber diese Elvira ist kein richtiger Mensch, sondern nur eine Pappkameradin, aufgestellt in einem Büro in den Bögen des Ostbahnhofs. Hier arbeitet ein junges Team im Auftrag der Deutschen Bahn daran, die 43 verschiedenen Systeme der Anzeigentafeln auf deutschen Bahnhöfen zu vereinheitlichen.

Elvira ist eine von neun ausgedachten Personen, mit deren Hilfe sich das Team vergegenwärtigt, wer typische Bahnkunden sind und welche Bedürfnisse sie haben. Der Manager Holger und der Sehbehinderte Felix gehören auch dazu. Sie sind als zweidimensionale Figuren gestaltet.

50 Mitarbeiter zählt das von Florian Ohly geleitete Labor Fahrgastinformation. Nicht alle sitzen am Ostbahnhof. Die Techniker sind an der Jannowitzbrücke untergekommen. Zu den 43 Varianten für die Anzeigetafeln komme als 44. Variante noch das völlig andere System der Berliner S-Bahn hinzu, erläutert Ohly. Entwickelt werde eine neue Software, um dem bisherigen Flickenteppich ein Ende zu bereiten. Die Hardware auszutauschen, also flächendeckend neue Anzeigetafeln zu installieren, sei zu teuer.

Nach dem Update soll es diverse Verbesserungen geben. So sollen die Anzeigetafeln künftig immer zwei Folgezüge ausweisen. Bislang zeigen einige Modell nur den jeweils aktuell einfahrenden Zug an. Gibt es eine Verspätung und wird deswegen erst einmal der nächste Zug abgefertigt, ist nur dieser zu sehen. Fahrgäste geraten dann möglicherweise in Panik oder werden unruhig, weil sie nicht wissen, ob sie ihren Zug nun verpasst haben, ob er ausgefallen ist oder ob sie möglicherweise auf einen anderen Bahnsteig wechseln müssen. Werden die Folgezüge angezeigt, können sie beruhigt warten.

Auch die Wagenanzeige soll optimiert werden. Bislang ist auf den Anzeigetafeln nur rudimentär zu erkennen, wo sich erste und zweite Klasse befinden. Um zu erfahren, wo der Wagen halten wird, in dem der Fahrgast einen Platz reserviert hat, muss der Reisende auf einen speziellen Aushang schauen. Künftig sollen die Wagennummern auf den Anzeigetafeln zu erkennen sein. Auch an den Lautsprecherdurchsagen wird im Labor getüftelt.

Im Labor sind ein paar echte Anzeigentafeln vorhanden, um die Bahnhofssituation zu simulieren. Außerdem sind hier viele Monitore zu sehen, auf denen Züge nach Dresden-Klotzsche, Kamenz, Görlitz oder Leipzig angezeigt sind. Denn starten soll die Modernisierung in Sachsen, voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2018, sagt Ohly. »Wir rechnen mit vier Jahren, bis die Technik bundesweit erneuert ist«, ergänzt er. Dann soll auch zentral und automatisch überwacht werden, wo eine Anzeigetafel nicht mehr funktioniert, damit sie schnell repariert werden kann.

Die Namensschilder an den Plätzen der Mitarbeiter verraten, von welchen Technologieunternehmen sie hierher abgeordnet sind: unter anderem von der Accenture GmbH und der Questac GmbH. Die Beschäftigten, vor allem junge Männer, tragen teils kurze Hosen und fast alle Turnschuhe. An einer Wand lehnen zwei hochwertige Rennräder. Bei der Deutschen Bahn dürfen ansonsten dagegen selbst Führungskräfte ihr teures Elektrofahrrad nicht mit an den Arbeitsplatz nehmen.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken