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Scheitel statt Irokesenschnitt: Ein rechtes Hausprojekt in Halle

Die »Identitären« wollen zusammen mit anderen rechten Gruppierungen ein Gebäude in direkter Uninähe beziehen

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

Welche Assoziationen haben sie beim Wort »Hausprojekt«? Denken sie auch an Punkrock im Keller, vegane Küche und solidarisches Zusammenleben, welches in stundenlangen Vollversammlungen organisiert wird? Ihre Wurzeln haben viele Wohnprojekte in den Hausbesetzungen der achtziger Jahre und in emanzipatorischen Bewegungen des politisch linken oder alternativen Spektrums. In Halle hat sich anscheinend eine Lokalgruppe der »Identitären« das Konzept abgeschaut.

Laut Recherchen der Seite »Sachsen-Anhalt Rechtsaussen« sind mehrere Kader der Identitären Bewegung in einen viergeschössigen Altbau in der Adam-Kuckhoff-Straße gezogen. Das Haus befindet sich direkt gegenüber des Steintorcampus der Martin-Luther-Universität. Laut »Sachsen-Anhalt Rechtsaussen« ist dort ein großer Teil der Führungsriege der Kontrakultur Halle eingezogen. Kontrakultur Halle ist der regionale Ableger der Identitären Bewegung. Schon am 6. Juni 2017 gab es Hinweise auf ein solches Projekt. In der rechten Zeitschrift »Sezession« die den »Identitären« nahe steht, wurde das Entstehen eines Hausprojektes angekündigt. In der Mitteilung wurde um Spenden gebeten. Es wurde auch angekündigt, dass es eine Büroetage geben wird und ein Filmstudio. Die Bemühungen der Identitären, sich ein Haus als Zentrum für ihre Aktivitäten zu sichern, ist Teil einer umfassenderen Strategie. Mit dem Institut für Staatspolitik in Schnellroda, einer Art Bildungseinrichtung für junge Rechte welches vom neurechten Publizisten Götz Kubitschek geleitet wird und der Bibliothek des Konservatismus in Berlin, geht es der neuen Rechten darum, sich Räume dauerhaft zu erschließen. Die Finanzen werden dabei über die »Titurel-Stiftung« abgewickelt. Diese bemüht sich um die Finanzierung des Instituts für Staatspolitik, Stiftungs-Gründer Helmut Englmann aus Johannesberg in Unterfranken ist seit 01. Januar 2017 auch Eigentümer des Hauses in der Adam-Kuckhoff-Straße. Aufgefallen ist er bisher als eifriger Autor von Leserbriefen in der »Jungen Freiheit«. Für 330.000 Euro soll das Haus verkauft worden sein.

Auf dem Klingelschild des Hauses steht bisher nur der Name eines 19-Jährigen, der erst seit kurzem bei der Kontrakultur Halle aktiv. Es lassen sich aber noch weitere Mieter finden: Die Mosaik-Kommunikation bietet kleinen und mittleren Firmen Hilfe bei der Medienkommunikation. Ihre Website liest sich seriös und unscheinbar. Im Handelsregister ist sie auf die Adresse des Identitären-Wohnprojektes registriert. Damit könnte auch geklärt sein, was mit dem Filmstudio im Haus gemeint ist. Über eine Domainabfrage kann man sehen, dass die Website mosaik-kommunikation.de auf den Namen Simon Kaupert registriert ist. Simon Kaupert ist bekannt geworden als Gründer des Würzburger Pegida-Ablegers »Wügida«. Die auf Webdesign und soziale Medien spezialisierte Marketingagentur »Mosaik-Kommunikation« wird von Andreas Lichert betrieben. Er ist Landesvorstand der Alternative für Deutschland (AfD) in Hessen. Schon einmal versuchte Lichert, nach Vorbild der Linken, ein soziales Zentrum für Rechte aufzubauen. Damals im hessischen Karben. Nach heftigen Protesten steht der Laden seit einiger Zeit leer.

Der Versuch, in Halle solche Strukturen zu schaffen, trifft dagegen auf bessere Ausgangsbedingungen. Die Kontrakultur Halle gehört zu einer der aktivsten Regionalgruppen der Identitären. Und der Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl 2016 in Sachen-Anhalt könnte für politische Rückendeckung sorgen. Aber die Lage des Projektes ist brisant. Direkt am geisteswissenschaftlichen Campus der Universität Halle ist das Haus eine Provokation gegenüber der klassischerweise eher linken Studierendenschaft der Universität. Ob diese Machtdemonstration Erfolg hat, wird sich zeigen müssen. Auf Proteste stellen sich die Identitären bereits ein. Mit Verweis auf zum Teil schwere Sachbeschädigungen an AfD-Büros in ganz Deutschland soll das Haus in den nächsten Wochen so gesichert werden, dass den Mitarbeitern und der Infrastruktur nicht geschadet werden kann.

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