Nach Grenfell-Katastrophe: Fünf Hochhäuser evakuiert

Wegen Feuergefahr: 800 Wohnungen in London sind betroffen / Menschen sollen in Hotels unterkommen / Sanierungsarbeiten bis zu vier Wochen geplant

Berlin. Nach der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell-Tower sind am Freitagabend fünf Hochhäuser mit insgesamt 800 Wohnungen in der britischen Hauptstadt evakuiert worden. Wegen Feuergefahr würden die Hochhäuser »umgehend geräumt«, teilte die Stadtverwaltung im Bezirk Camden mit. Es bestünden Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Fassadenverkleidung, hieß es.

»Grenfell ändert alles, und ich glaube nicht, dass wir ein Risiko eingehen sollten«, erklärte Behördenvertreterin Georgia Gould. Die Wohnungen würden »sofort« geräumt, es könne »nicht garantiert werden, dass die Menschen sicher sind«.

Die Bewohner der rund 800 Wohnungen wurden nach der plötzlichen Anweisung vom Freitagabend angewiesen, sich in der örtlichen Bücherei zu versammeln. Sie sollten anschließend in Hotels in ganz London untergebracht werden.

Für die Entfernung der Fassadenverkleidung der betroffenen Hochhäuser wurde ein Zeitraum von zwei bis vier Wochen angesetzt. Nach der Katastrophe im Grenfell-Tower waren im Schnellverfahren Sicherheitsüberprüfungen vorgenommen worden, die ergaben, dass die Fassadenverkleidung der fünf betroffenen Hochhäuser vom selben Unternehmen wie beim Grenfell-Tower angebracht worden war.

»Wir wissen, dass das eine beunruhigende Zeit ist, aber wir werden dafür sorgen, dass sie sicher sind«, sagte Gould mit Blick auf die Bewohner der betroffenen Häuser. »Uns geht es nur darum, die Leute sicher unterzubringen, während wir diese dringenden Arbeiten erledigen«, sagte sie. »Mit den Kosten können wir uns später befassen«, fügte sie hinzu.

Bei dem verheerenden Brand im Grenfell-Tower waren in der vergangenen Woche mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Nur neun Leichen konnten bislang identifiziert werden. Die Polizei warnte, dass die Opferzahl noch steigen könne. Wie am Freitag bekanntgeworden war, wurde der verheerende Brand durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst.

Das Feuer in dem 24-stöckigen Sozialbau hatte sich am Mittwoch vergangener Woche rasend schnell über die Fassade ausgebreitet. Das Material der Außenverkleidung steht daher im Zentrum der Aufarbeitung der Katastrophe.

Als Konsequenz aus dem Unglück hatten die Behörden eine Untersuchung von ähnlich gebauten Hochhäusern in ganz England veranlasst. Die Behörden erklärten, es sei davon auszugehen, dass rund 600 Hochhäuser mit ähnlichem Material wie im Grenfell-Tower verkleidet seien. AFP/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung