Von Robert Meyer

Strom aus Zahnpasta und gestresste Kühe

Was es alles an Wissen gibt, zeigt alle Jahre wieder die »Lange Nacht der Wissenschaften«

»Können Atome Kühe in spürbare Unruhe versetzen?« Diese Frage ist zwar eine fiktive, aber eine, die durchaus ins Raster passt. Denn Wissenschaft ist in der Lage, Zusammenhänge ans Tageslicht zu bringen, die zuerst schier unmöglich erscheinen oder die verblüffen. Und an Wissen, welches zu überraschen vermag, gab es genug auch in der 17. »Langen Nacht der Wissenschaften«, die dieses Jahr von ca. 30 000 Menschen aufgesucht wurde. Unter den vielen Wissensorten fanden besonders die Technische wie die Freie Universität, die Beuth-Hochschule für Technik, die Charité auf ihrem Campus in Berlin-Mitte sowie die Institute auf dem Potsdamer Telegrafenberg Anklang. Ebenfalls gut besucht waren das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Adlershof, das Helios-Klinikum in Buch und die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Schöneweide.

An über 100 Orten fanden insgesamt 2000 Veranstaltungen statt: 2000 große und kleine Wissensexplorationen, Fragestellungen, Testanordnungen, Erkundungen, kurz: Ausflüge in ganz unbekannte Gefilde oder in altbekannte Wissensbereiche, die womöglich gerade erweitert werden.

Im Institut für Chemie, gleich bei der Technischen Universität (TU), drängelten sich die Besucher um ein paar Stände, an denen chemisch-atomares Basiswissen vermittelt oder mit verschiedenen Substanzen herumgespielt wurde. Wie aus Zahnpasta und Tee Strom gewonnen werden kann, indem Farbstoffsolarzellen gefertigt werden, zeigte etwa, welches Potenzial die Chemie haben kann.

Drohnen sind gefragt, ob nun von der Bundeswehr oder von Privatleuten, das Interesse an kleinen Fluggeräten, die ein bestimmtes Gewicht tragen können, wächst signifikant. In einem Hörsaal der TU flogen Quadrocopter herum, von denen die meisten Zeppelinen ähnelten. Alles wirkte zwar noch spielerisch, aber allein die Materialien, aus denen diese Luftfahrzeuge gebaut sind, und die Berechnungen, die notwendig waren, damit sie passabel fliegen, lockten viele an.

Deutlich machte diese Veranstaltung auch, dass es schon längst Fluggeräte für alle geben könnte: Man nutzt für den Transport mehrerer Personen kein Auto mehr, sondern einen Quadrocopter.

Menschen leben in Gesellschaften: Soziales Verhalten in Gruppen, die Psyche, Stressfaktoren im Beruf - auch dies Themenfelder, die Berücksichtigung fanden.

Und natürlich die gute alte Mathematik, die abstrakte Universalsprache, die auf fast alles anwendbar ist: »Mathe und das Hören, Mathe und die Kommunikation, Borromäische Ringe« und Knotentheorien - selbst »Marsianer machen Mathe«. Im Haus der Mathematik tummelten sich nicht gerade wenige Neugierige, lösten Rätsel oder lauschten kleineren Vorträgen.

Was man als Erkenntnis mitnehmen kann aus einer »Nacht der Wissenschaften«: die Überzeugung, dass Forschung frei sein muss, unabhängig von Politik und Wirtschaft.

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