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Kardinal Pell in Australien angeklagt

Missbrauchsvorwürfe gegen den Vatikan-Finanzchef

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Anklage des ranghöchsten Kardinals im Vatikan, des Australiers George Pell, ist der Höhepunkt bisheriger Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Diskutiert wurde sie schon länger, doch am Donnerstag machte die Polizei sie im australischen Bundesstaat Victoria öffentlich. Der 76-Jährige muss am 18. Juli in Melbourne vor Gericht erscheinen. »Kardinal Pell muss sich mit mehreren Anklagen in Bezug auf historische Sexualdelikte auseinandersetzen«, sagte der Vizepolizeikommissar von Victoria, Shane Patton, vor Medienvertretern.

Die Polizei hatte bereits im Juli 2016 bestätigt, dass sie mögliche Vergehen im australischen Ort Ballarat aus den 70er Jahren untersuche. Pell, der in der Hierarchie der katholischen Kirche an dritter Stelle rangiert, hat jedoch stets seine Unschuld beteuert.

Pell hatte die Chance, Profisportler im Australian Football zu werden, zugunsten des Priesterberufs aufgegeben. Er studierte in Melbourne, Rom und Oxford. Er war Erzbischof von Melbourne und Sydney, bevor er nach Rom berufen wurde. Dort ist er heute für die Finanzen des Vatikans zuständig. Pell gilt als Konservativer, der sich gegen Priesterinnen, Scheidung, Abtreibung und Homosexualität ausspricht. 1996 war Pell paradoxerweise das erste führende Mitglied der katholischen Kirche, das Vorwürfe von Kindesmissbrauch gegen katholische Priester untersuchte. 2014 sagte er vor einer von Australiens Regierung eingesetzten Kommission aus und entschuldigte sich öffentlich bei einem früheren Ministranten, der in den 70er Jahren von einem Priester missbraucht worden war.

Bisher war Pell nur die Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen worden. Die aktuelle Anklage bezieht sich auf Fälle von Missbrauch, die Pell selbst verübt haben soll. Die Vorwürfe hatten sich im Mai mit Veröffentlichung des Buches »Cardinal: The Rise and Fall of George Pell« konkretisiert. Die Journalistin Louise Milligan hatte dafür zwei Männer interviewt, die behaupten, von Pell in den 70er Jahren, als er Priester in Ballarat war, missbraucht worden zu sein. Außerdem berichtet Milligan von zwei Chorknaben, die in den 90er Jahren sexuell von ihm missbraucht worden sein sollen - nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Melbourne. Einer sei 2014 an einer Überdosis Drogen verstorben. Pell hat die Anschuldigungen abgestritten und das Buch aufs schwerste verurteilt.

Laut Emiliano Fittipaldi, ein Journalist, der über Missbrauch recherchiert hat, sind die in Rom gemeldeten Missbrauchsfälle in den ersten drei Amtsjahren des Papstes auf 1200 gestiegen. Das seien fast doppelt so viele Sexualstraftaten wie von 2005 bis 2009, sagte der Italiener im Januar.

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