Werbung

Die Ehe für alle ist überfällig - aber konservativ

Aert van Riel über die Entscheidung des Bundestags, nicht länger Politik gegen die Mehrheit zu machen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Gegen gesellschaftliche Mehrheiten lässt sich langfristig keine Politik machen. Das hat auch Angela Merkel verstanden und kürzlich eine Gewissensentscheidung zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Aussicht gestellt. Vermutlich kam die Bundestagsabstimmung etwas schneller, als die Kanzlerin eigentlich wollte. Für die Betroffenen war sie hingegen überfällig. Künftig müssen sie sich nicht mehr als Ehepaare zweiter Klasse fühlen, denen der Gesetzgeber in einem Punkt noch immer misstraute. Zur vollständigen Gleichstellung fehlte ihnen noch das Recht, gemeinsam Kinder adoptieren zu können.

Ob der langjährige Kampf gegen Diskriminierung damit erfolgreich beendet ist, wird sich noch zeigen. Denn viele Unionspolitiker lehnen die sogenannte Ehe für alle weiterhin ab und rechnen sich Chancen vor dem Bundesverfassungsgericht aus. Diese dürften gering sein. Denn die Karlsruher Richter haben zwar vor einigen Jahren die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau herausgehoben, zugleich aber auch die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren gestärkt. Das Grundgesetz wird von den Verfassungsrichtern ausgelegt. Dabei beziehen sie sich auch auf veränderte gesellschaftliche Realitäten. Und die sind alles andere als radikal. Die Öffnung der Ehe gibt lediglich mehr Menschen als bisher die Möglichkeit, sich für eine Form des Zusammenlebens zu entscheiden, die man mit guten Gründen als konservativ bezeichnen kann.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!