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Ohne Öl kein Geschäft mit der Pipeline

Große Förderunternehmen wollen Rohstoff eventuell lieber auf der Schiene als über die Keystone-XL-Leitung transportieren

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

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Aktivisten haben jahrelang versucht, die Ölleitung Keystone XL zu verhindern. Proteste, Lobbyarbeit bei der US-Regierung und eine Klage wegen Umweltschutzbedenken haben nicht geholfen. Nun hat der Markt geschafft, woran die Aktivisten gescheitert waren. Denn nur wenige Ölfirmen sind aufgrund des niedrigen Ölpreises bereit, die Leitung zu nutzen, wie das »Wall Street Journal« schreibt.

Als das in der kanadischen Provinz Alberta angesiedelte Unternehmen TransCanada 2008 erstmals beim US-Außenministerium um eine Genehmigung ersuchte, mit der Leitung die amerikanisch-kanadische Grenze zu überqueren, lag der Ölpreis bei 130 Dollar (114 Euro) pro Barrel. Heute sind es 45 Dollar, wodurch die Gewinnspanne der Firmen, die die Leitung nutzen könnten, deutlich geschrumpft ist. Der niedrige Ölpreis habe die Verhandlungen erschwert, sagte TransCanada-Geschäftsführer Russ Girling im Mai vor Investoren.

Die denken nun mit Sorgen an die Ölleitung, die eine Strecke von 2700 Kilometern zwischen Alberta und Südostnebraska überbrücken soll, wo sie mit bestehenden Leitungen verbunden werden soll, die zu Raffinerien am Golf von Mexiko führen. Der Konzern hat bereits drei Milliarden Dollar in das Projekt investiert, das insgesamt acht Milliarden Dollar kosten soll, eine Milliarde mehr als vorgesehen. 2016 hat TransCanada zwei Milliarden der Kosten abgeschrieben.

Geplant war eine Auslastung der Leitung von 90 Prozent am Ende der Bauarbeiten, also 2020. Das »Wall Street Journal« erwähnt nicht, wie viele Firmen sich bislang für eine Nutzung entschieden haben. Doch demnach haben diese Firmen auch die Option, die Eisenbahn für den Transport zu nutzen. Das wäre zwar dreimal so teuer, dafür werden aber keine langfristigen Verträge benötigt. Der Transport von Rohöl per Leitung bliebe die bevorzugte Methode, es würden aber Alternativen wie die Schiene geprüft, sagte dazu Julie Woo, Sprecherin des Ölsandförderers Suncor.

Im krassen Gegensatz zur gegenwärtigen Lage stehen die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der Keystone XL im März genehmigt hatte. »Das wird eine unglaubliche Rohrleitung, mit der besten bekannten Technologie«, sagte er. Trump hatte seinen Vorgänger Barack Obama 2016 im Wahlkampf für seine ablehnende Haltung gegenüber dem Projekt kritisiert und ihm vorgeworfen, er würde wirtschaftlichen Wohlstand für die USA auf dem Altar des Klima- und Umweltschutzes opfern.

Doch trotz Trumps Genehmigung gibt es noch immer Widerstand gegen Keystone XL und andere Ölleitungsprojekte. Die New Democratic Party, seit kurzem Regierungspartei in der kanadischen Provinz British Columbia, sperrt sich gegen das Projekt Trans Mountain. Von behördlicher Seite ist zudem die Line 3 des Unternehmens Enbridge verzögert worden. Und das letzte Teilstück von Keystone XL muss noch von der Regierung in Nebraska genehmigt werden.

Vergangene Woche fand in Norfolk, Nebraska eine öffentliche Anhörung statt, bei der sich Gewerkschaftsvertreter Ron Kaminski für Keystone XL aussprach. Durch die bestehende Keystone-Leitung seien in Nebraska bislang eine Milliarde Barrel Öl transportiert worden, ohne dass es dort auch nur ein einziges Leck gegeben habe. »Das zeigt die Qualität unserer Arbeiter und wie viel ihnen an der Umwelt gelegen ist.«

Doch ein Kritiker der Leitung, Byron Steskal aus South Dakota, sagte, in seinem Heimatstaat sei Öl aus der Leitung ausgetreten. »Das tolle Schutzsystem von TransCanada hat versagt. Bis zum 2. Juli 2016 war Key-stone 1 stillgelegt.«

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