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Trump durch die Hintertür?

Protestbündnis steht auch für einen unangekündigten Britannien-Besuch des US-Präsidenten bereit

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Nichts Genaues weiß man, doch das verstärkt die Wachsamkeit des breiten britischen »Stop Trump«-Bündnisses eher noch: In Verbindung mit den anstehenden Besuchen des US-Präsidenten in Polen, beim G20-Gipfel in Hamburg sowie zum Nationalfeiertag am 14. Juli in Frankreich verdichten sich Hinweise, dass Donald Trump ohne Voranmeldung auch in Großbritannien auftauchen und London wie Schottland besuchen könnte.

Wiewohl die britische Regierung bis Dienstag lakonisch erklärte, Pläne für einen Britannien-Besuch Trumps in den kommenden Tagen seien ihr »nicht bewusst«, bereitet sich die Protestbewegung aus Vertretern von Parteien, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen auch auf einen Blitzbesuch Trumps durch die Hintertür vor.

Die »Sunday Times« hatte zuvor geschrieben, Donald Trump wünsche bei einem unangekündigten Besuch auf seiner schottischen Golfanlage Turnberry auch die britische Premierministerin Theresa May zu treffen. Die Zeitung legte nahe, eine Bestätigung aus Downing Street werde es für diesen Fall »erst weniger als 24 Stunden« vor Trumps Eintreffen auf der Insel geben, um öffentliche Proteste zu verhindern.

May hatte den Präsidenten bei ihrem Antrittsbesuch in Washington zum Staatsbesuch eingeladen. Das löste direkt die Gründung der »Stop Trump«-Koalition in Britannien und die Ankündigung aus, den amerikanischen Staatschef in London mit »der größten Protestdemo in Britanniens Geschichte« zu empfangen. Der im Laufe des Sommers erwartete Staatsbesuch war daraufhin ohne neue Terminnennung verschoben worden. Auch in der Thronrede von Queen Elizabeth II vor wenigen Tagen, in der üblicherweise Details bevorstehender Staatsvisiten im Königreich verkündet werden, fehlte jeder Hinweis auf einen Trump-Besuch.

Die Aktivisten der Protestkoalition haben ihre Mitglieder und Anhänger in Alarmbereitschaft versetzt. Dave Prentis, Generalsekretär der zweitgrößten britischen Gewerkschaft Unison, die zum Protestbündnis gehört, erklärte: »Wenn Trump glaubt, er könne unter dem Radar einfliegen, hat er sich geirrt. Trump ist ein intoleranter Kleingeist, der von vielen verachtet wird. Wenn er hierher kommt, werden Menschen auf die Straße gehen, um gegen seine Wertauffassungen zu demonstrieren, die so viel Hass und Zwietracht säen.«

Nick Dearden, Direktor der Bewegung Global Justice Now, gleichfalls Mitglied der »Stop Trump«-Koalition, sagte: »Wir wissen, dass Trump mittlerweile Angst hat, zu einem Staatsbesuch zu kommen, den ihm Theresa May närrischerweise antrug, weil er mit einer der größten Protestaktionen in der britischen Geschichte rechnen muss. Ein Besuch in diesem Monat durch die Hintertür wäre der Versuch, sein und Mays Gesicht zu retten. Doch wir werden Widerstand leisten, wann und wie immer er kommt. Trump bedeutet Schlimmes für einige der größten Probleme der Menschheit: Klimawandel, Migration, soziale Ungleichheit und die Notwendigkeit, Konzerne einzuhegen. Wir werden nicht gestatten, Trumps Präsidentschaft zu normalisieren, und wir werden dafür sorgen, dass Theresa May einen politischen Preis dafür bezahlt, dass sie Trump und seine Hasspolitik unterstützt.«

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