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Starkregen verschmutzt die Seen

Ein Ausbau der Abwasserspeicher kann das Problem höchstens entschärfen

Die Qualität aller Badegewässer der Hauptstadt ist durch die Regenfälle stark verschlechtert, teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) diese Woche mit und riet vom Schwimmen ab. »Die Einspülung von Regenwasser und zum Teil ungeklärten Abwässern führt erfahrungsgemäß zu einer erhöhten Belastung mit Krankheitserregern«, hieß es in der Erklärung. Besonders betroffen seien die sogenannten Landseen Groß Glienicker See, der Jungfernheideteich, der Orankesee sowie der Weiße See und die Unterhavel. Bis zur offiziellen Entwarnung wird es auch noch etwas dauern.

»Das war ein Jahrhundertereignis«, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. »Hier im Haus hat noch niemand so etwas erlebt.« Allerdings, davon ist auszugehen, werden in Folge des Klimawandels Starkregenereignisse zunehmen.

Problematisch ist in einem solchen Fall die Mischwasser-Kanalisation, in der Regenwasser und anderes Abwasser zusammenfließen, um in den sechs Klärwerken der Stadt gereinigt zu werden. Ab einer bestimmten Menge kann das System nicht mehr Wasser aufnehmen, die Klärwerke kommen nicht nach, und das Wasser fließt ungereinigt in die Gewässer.

Seit Jahren bauen die Wasserbetriebe mit Millionenaufwand unterirdische Stauraumkanäle oder Regenüberlaufbecken, um zu vermeiden, dass Abwasser mit Regenwasser vermischt in Spree, Havel oder die Seen fließt. Momentan entsteht unter der Chausseestraße in Mitte das bisher größte Überlaufbecken mit einem Fassungsvermögen von 17 000 Kubikmetern, von dem nach Fertigstellung nur die Gullideckel zu sehen sein sollen. Außerdem entsteht in Waßmannsdorf, dem größten Berliner Wasserwerk, ein gigantischer Zwischenspeicher mit 50 000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Insgesamt stehen dann, so Natz, 400 000 Kubikmeter Wasserspeicher in der Hauptstadt zur Verfügung. Aber auch das wird einem Unwetter wie jenem der vergangenen Woche nicht standhalten. »Unser momentanes Stauraumprogramm ist auf übliche Sommergewitter von vielleicht einer Stunde Dauer ausgelegt«, so Natz.

Das Abwassersystem innerhalb des S-Bahn-Rings stammt aus dem 19. Jahrhundert. James Hobrecht begann mit der Errichtung des Mischwassersystems 1871. In neueren Stadtgebieten wird seit dem 20. Jahrhundert ein Trennsystem errichtet, in dem häusliche Abwasser und Regenwasser in getrennten Kanälen geführt werden.

Andere europäische Großstädte haben ähnliche Probleme. In London läuft das lecke viktorianische Kanalsystem regelmäßig über. Pro Jahr gelangen so rund 39 Millionen Kubikmeter ungeklärtes Abwasser in die Themse, die teilweise einer Kloake gleicht. Momentan baut die Stadt einen 25 Kilometer langen Kanal entlang des Flusses, um Abwasser vorübergehend aufnehmen zu können. Auch in Paris hat man mit einem Abwassersystem zu kämpfen, dessen Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen.

Da der Bau unterirdischer Wasserspeicher sehr aufwendig und teuer ist, sind Alternativen gefragt. Das Berliner Unternehmen Luritec bietet Tanks in Modulbauweise an, die unterirdisch, aber auch am Ufer von Gewässern installiert werden können. Die Module können sogar als kleine Inseln gestaltet werden, wie Geschäftsführer Ralf Steeg erklärt.

Für Stephan Natz hingegen liegt riesiges Potenzial darin, Regenwasser dezentral zu speichern. Der Senat plant, dass Gebäude- und Grundstücksflächen, aus denen Regenwasser direkt in die Mischwasserkanalisation eingeleitet wird, jährlich um ein Prozent reduziert werden. Außerdem sollen im 1000-Grüne-Dächer-Programm Dachbegrünungen gefördert werden.

Wie ein vorbildliches Regenwassermanagement aussieht, kann jeder in Adlershof begutachten. Hier gibt es in einigen Straßenzügen gar keine Gullis mehr, denn das Regenwasser wird entweder in den begrünten Dächern, in Mulden oder in Straßengräben gesammelt, wo es langsam versickert. »Wir müssen Regenwasser als gesellschaftliches Problem begreifen«, appelliert Natz.

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