Sektiererische Partei Deutschlands

Angesichts aktueller Umfragen hat die SPD ihren Anspruch sich Volkspartei zu nennen verwirkt, meint Roberto J. De Lapuente

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: 3 Min.
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Kampf ohne Machtbekenntnis

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100 Prozent haben die Sozialdemokraten dem neuen Mann an der Spitze verpasst. Trotzdem krebst dieser 100-Prozent-Kanzlerkandidat in den Prognosen bei 23 oder 24 Prozent rum. Bei einer Wahlbeteiligung von - sagen wir mal - optimistisch geschätzten 75 Prozent, ergibt das am Ende, dass nicht mal ein Fünftel aller Wahlberechtigten für Martin Schulz und seine Partei gestimmt haben werden. Wir haben es hier mit einer Volkspartei ohne Volk zu tun. Dürfen wir bei dem, was aus den sozialdemokratischen Kanälen sickert, eigentlich noch von einer Partei sprechen? Sind die nicht schon in ganz anderen Sphären unterwegs?

Während der Schulz-Zug zur Draisine abrüstet, laben sich Sozialdemokraten als sei nichts geschehen an ihrem Hundertprozentigem. Sie werfen der Bundeskanzlerin vor, sie würde mit ihnen keinen Wahlkampf spielen wollen, machen sie zur antidemokratischen Verweserin - wobei gemeint ist, dass sie die Demokratie verwesen lässt – und plärren schon zwei Tage später, dass man mit ihr freilich wieder bündelt: Aber natürlich nur, wenn sie die Ehe für Lesben und Schwule zulässt. Der sozialdemokratische Kandidat wiederholt seit Wochen, er sei für soziale Gerechtigkeit. Das ist seine Dauerschleife, die er aber nicht mit Inhalten füllt. Und nun ist seine einzige Bedingung ein Toleranzthema, das in Zeiten von Heiratsmüdigkeit so ziemlich ohne Not zur Grundsatzfrage stilisiert wird.

Die Sozialdemokraten aber sehen da den großen Sprung nach vorne, sie merken noch nicht mal, dass die Schulz-Kampagne von einer Kanzlerschafts- in eine Koalitionskampagne überführt wurde. Man sei auf einem guten Weg und man stehe hundertprozentig hinter Martin Schulz, dem Retter in der Not. Durch ihn kam schließlich neuer Schwung in die müden Knochen der Sozialdemokratie. Dabei ist das ein gefährlicher Trugschluss. War die SPD unter Sigmar Gabriel noch eine Partei mit wenig Hoffnung, die innerlich zerrüttet war, aber an deren Basis die Parteioberen nicht gut wegkamen, hat sie sich unter Schulz zu einer Eintracht im Geiste selektiver Wahrnehmung zusammengerottet.

Das ist vornehm formuliert, eigentlich müsste man ja von Wahrnehmungsstörungen sprechen. Von Selbstisolation und parteilicher Introvertiertheit, die nicht mehr an eine politische Partei denken lassen, sondern an eine irgendwie weltliche Krawatten-und-Hosenanzug-Sekte, in der es nicht um die Interessenvertretung der Bürgerinnen und Bürger geht, sondern um Selbstbestätigung im eigenen Mikrokosmos. Die SPD limitiert die eigene Perzeption, igelt sich in ihrer parteiinternen Parallelgesellschaft ein und verliest dann und wann einen Kassiber wie den von der »asymmetrischen Mobilisierung«, für die sie ja nichts, wirklich gar nichts könne.

Eine Partei, deren Kandidat kein Fünftel der Wähler erreicht und der dennoch widerwortlos zum Strohhalm für eine ganze Nation kooptiert wird, muss sich doch mal fragen lassen, ob sie nicht eher eine Psychogruppe ist. Was ist denn da im Spiel, wenn er binnen weniger Monate von einer errechneten Chancengleichheit in prognostische Gefilde abgleitet, die einen neuen Negativrekord seiner Partei versprechen, während synchron dazu die Anhängerschaft noch immer so tut, als laufe alles wie geschmiert?

Dieser Schwenk hin zu Schulz, den die Partei machte und der kurzfristig ein gutes Gefühl entfesselte bei den Genossinnen und Genossen, enttarnt sich dieser Tage tatsächlich als eine bedenkliche Entwicklung. Die Sozialdemokraten haben eben nicht zu sich selbst gefunden – sie haben ihre sozialdemokratischen Restbestände diesem Mann anvertraut und der hat sie mit geschickter PR und medialer Inszenierung in ein Klima der Wohlgefälligkeit überführt, in dem es keine Exit-Strategie mehr zu geben scheint.

Wenn Sie demnächst in der Fußgängerzone jemanden lauschen, der im schwärmerischen Ton von einem Erleuchteten spricht und der überhaupt so ein bisschen entrückt wirkt, sollten Sie sich nicht davon irritieren lassen, dass diese Sannyasins jetzt nicht mehr in orangefarbener Kutte aufklären. Es sind nämlich gar keine. Denken Sie lieber mal an Ihren SPD-Ortsverein.

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