Von Fabian Hillebrand

»Bis Männer gelernt haben, sich zu benehmen«

In Schweden wird ein Musikfestival nur für Frauen geplant. Auslöser sind Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe auf dem Bråvalla

Festivalbesucherinnen sind immer wieder sexuellen Übergriffen ausgesetzt - nicht nur in Schweden. Im Bild: Besucherinnen des diesjährigen Southside-Festivals in Neuhausen bauen ihre Zelte auf.
Festivalbesucherinnen sind immer wieder sexuellen Übergriffen ausgesetzt - nicht nur in Schweden. Im Bild: Besucherinnen des diesjährigen Southside-Festivals in Neuhausen bauen ihre Zelte auf.

Das Bråvalla ist das wahrscheinlich größte Musik-Festival in Schweden. Immer wieder machte es in den vergangenen Jahren traurige Schlagzeilen: Mehr als 30 Übergriffe zeigten Frauen bei der Polizei an. Eine 15-Jährige berichtete von einer Vergewaltigung während eines Konzertes in der Zuschauermenge. Die Band »Mumford & Sons« kündigte an, nicht mehr auf dem Festival zu spielen, wenn keine Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe getroffen werden würden. Die Veranstalter haben nun Konsequenzen gezogen und das Festival für das kommende Jahr abgesagt. Die schwedische Komikerin und Radiomoderatorin Emma Knyckare will jetzt als Reaktion ein Event nur für Frauen organisieren.

Via Twitter kündigte Knyckare ein »männerloses« Festival für 2018 an. Dass die Idee, Männer von einem Festival auszugrenzen, ungerecht sei, wies sie zurück. »Wenn es offenbar in Ordnung ist, Frauen die ganze Zeit zu diskriminieren, ist es vielleicht auch okay, Männer für drei Tage auszuschließen«, sagte die Komikerin gegenüber der schwedischen Zeitung »Aftonbladet«. Dass Emma Knyckare das auch Ernst meint, beweist eine weitere Verlautbarung auf Twitter. Dort schreibt sie: »In den nächsten Tagen werde ich eine Gruppe talentierter Organisatorinnen und Projektleiterinnen zusammenstellen.« Wenn das geschehen sei, »werdet ihr von jedem von uns wieder hören«.

2017 gab es auf dem Bråvalla so viele sexuelle Übergriffe wie nie zuvor. Polizeisprecherin Gunilla Nyström betonte lat der dpa aber, dass die Anzahl der Attacken auf dem diesjährigen Bråvalla-Festival nicht ungewöhnlich hoch seien. Diesmal seien aber mehr Polizisten auf dem Gestivalgelände gewesen. Das habe es für die Betroffenen sexualisierter Gewalt einfacher gemacht, Anzeige zu erstatten. »Es ist nicht so, dass wir mit dem Problem nicht umgehen können oder dass es ein Problem von Festivals ist«, sagte Kajsa Apelqvist, Pressesprecherin der FKP Scorpio. Das Unternehmen organisierte das Bråvalla-Festival. Es handele sich um ein gesellschaftliches Problem. Nicht nur auf Musikfestivals würden Frauen vergewaltigt. Aber der Veranstalter wolle ein »klares Statement« abgeben, schrieb Kajsa Apelqvist in einer Pressemittelung. Deshalb werde das Festival 2018 ausfallen. FKP Scorpio organisiert auch in Deutschland Großveranstaltungen, zum Beispiel das »Chiemsee Summer« Festival.

Das solche Vorfälle kein spezifisch schwedisches Problem sind, zeigt ein Feature aus dem Vice-Ableger Noisey, in dem Frauen zu ihren Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen auf Festivals befragt werden. Mehrere Frauen berichten von Übergriffen, auch in Deutschland. Das Bråvalla-Festival war mit 50.000 Besuchern eine der größten Musikfestivals in Schweden. In diesem Jahr hatten Linkin Park, Mando Diao, Alesso und The Killers gespielt. Emma Knyckare will ihr eigenes männerloses Festival jetzt so lange fortführen, »bis Männer gelernt haben, sich zu benehmen«.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken