Von Lena Tietgen

Gemeinsam sind sie stark

Bildungsrauschen

Im Mai 2016 schlossen sich bundesweit Lehrkräfte für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ) zum Bündnis »DaF/DaZ-Lehrkräfte« zusammen (dafdaz-lehrkraefte.de). Geringe Honorare, befristete Verträge, große und stark heterogene Lerngruppen zeichnen ihre Arbeitsbedingungen aus, so dass vermehrt Lehrkräfte in andere Bereiche wechseln. Gemeinsam mit Gewerkschaften wollen sie sich nun verstärkt für höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, dabei auch die gesellschaftliche Teilhabe der Migranten und Geflüchteten in den Fokus nehmen.

In ihrer Gründungserklärung begründen sie ihre Forderungen mit ihren »akademischen Abschlüssen und Zusatzqualifikationen« und mit den hochkomplexen Anforderungen an ihre Arbeit. So geben sie nicht allein »professionellen Sprachunterricht«, sondern unterrichten auch im Rahmen ihrer Integrationsarbeit in »Politik und Geschichte«. Sie arbeiten in Gruppen mit Menschen »verschiedener Muttersprachen, Herkunftsländer und Altersgruppen, mit und ohne Schul- und Sprachlernerfahrung, teilweise traumatisiert und in problematischen Lebenssituationen«. Dabei decken sie die ganze Palette von der Alphabetisierung bis zu Kursen zu oberen Abschlüssen wie B2, C1 und C2 ab.

Eine ihrer Kernforderungen ist die »Festanstellung mit tariflich gebundener Eingruppierung« analog zu Arbeitsbedingungen an Berufsschulen oder ein Honorar »25 Prozent über dem Arbeitgeberbrutto der Festangestellten« für alle DaF/DaZ-Lehrkräfte. Oder die Träger werden an den Sozialversicherungsbeiträgen beteiligt beziehungsweise werde eine »Sozialkasse nach Vorbild der Künstlersozialversicherung« eingerichtet. Weitere Forderungen sind eine Gruppengröße in Integrationskursen von nicht mehr als 18 Teilnehmern, ein »fachliches Mitspracherecht bei Kurskonzeption, Kursinhalten, Evaluation und Prüfungen« sowie ein »verbrieftes Recht der DaF/DaZ-Lehrkräfte, ihre Interessen auf Trägerebene zu vertreten«.

Bewusst nehmen sie die Politik in die Verantwortung, da sie selbst »meistens im Auftrag des Staates« arbeiten. Neben dem Kampf um bessere Bedingungen stellten sie Dokumente online wie den offenen Brief der Initiative »Wir sind Goethe« an Außenminister Sigmar Gabriel zur geplanten Entlassungswelle beim Goethe-Institut oder zu politischen Statements wie dem Beschluss der GEW »Gute Arbeit in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung«, nicht zuletzt auch Unterrichtsmaterialien.

Die Lehrkräfte organisieren sich als überregionales Netzwerk über kreidefresser.org. Dort findet man auch Hinweise zu ihren Aktionen. Eine war der Streik freiberuflicher DaF-Lehrkräfte 2016 in Frankfurt am Main, mit dem sie die Volkshochschule aufforderten, das Mindesthonorar von 35 Euro einzuhalten. Dem folgte zusammen mit ver.di die Leipziger Satire-Protestaktion »Heiraten Sie eine/n VHS-Dozentin/en; zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Ihren Unternehmens- oder Steuerberater«. Eine ihrer letzten Aktionen fand in Göttingen statt. Dort überreichte das Netzwerk im Mai dieses Jahres der Universität eine Petition zur besseren Bezahlung von Honorardozenten. Lena Tietgen

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