Werbung

Altmeister des russischen Undergrounds

AuktYon in der Wabe

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Anarchy v Rossij: Wenn Punkgitarren, New-Jazz-Bläsersätze und Polyrhythmen aufeinandertreffen, minutenlang ein psychedelischer Klaviersatz im Raum schwebt, ein Kinderspielzeug trötet und über allem die lyrische Stimme Leonid Fedorovs thront, dann sind AuktYon am Werke, die Altmeister des russischen Undergrounds. 1983 trat die Leningrader Gruppe erstmals offiziell auf den Plan, ohne sich freilich um die für Berufsmusiker obligatorische Spielerlaubnis zu kümmern. Die hätte man den jungen Rabauken, die sich wenig um Radiotauglichkeit und Kompatibilität zum »Russkij Rok« scherten, auch kaum erteilt.

1985 erschien das erste Album als Magnetbandkassette, das von der russischen Kritik sehr zurückhaltend aufgenommen wurde, im Westen hingegen einen Achtungserfolg erzielte. AuktYon traten in dem von zwei deutschen Enthusiasten 1988 gedrehte Film »Dawai Rock ’n’ Roll« über die russische Avantgarde-Szene auf, der einen Einblick in die bis dato hinter dem Eisernen Vorhang verborgene sowjetische Subkultur gewährte.

Ab 1989 tourte die Band durch die Länder der Sowjetunion, im Februar desselben Jahres stand sie mit »Va Banque« und »Zvuki Mu« zum ersten Mal in Berlin auf der Bühne, gastierte mit Viktor Tsojs »Kino« in Frankreich und lieferte den sowjetischen Medien einen fetten Skandal: Der Frontmann imitierte zu dem Song »NÖP-Mann« (eine Verhöhnung der Perestroika-Gewinnler) einen Striptease in hautfarbener Unterwäsche.

Von simpler Drei-Akkord-Musik mit einer Prise Provokation ist AuktYon weit entfernt, eher schimmert der Punkbegriff der New Yorker Szene der 1970er durch, das furchtlose Schöpfen aus allen Stilen, ausgefeilte Texte, die durchaus schon mit einem Warnhinweis versehen wurden, exzentrische Bühnenpräsenz und die Verbindung mit Theater und bildender Kunst. Dementsprechend wurde jeder Auftritt, jede Platte zum Gesamtkunstwerk, selbst eingefleischteste Fans wurden immer wieder überrascht. Geriet ihnen ein Album zu glatt, konnte das schon zu ernsthaften Zerreißproben führen.

Ab 1991 tourten AuktYon hauptsächlich durch Deutschland und Europa, ihr hierzulande produziertes Album »Ptitsa« (Vogel) wurde, in Russland neu herausgegeben, 1993 ein kommerzieller Erfolg - trotz mangelnden Hitradioformats. Der Erfolg stürzte die Gruppe zugleich in eine künstlerische Krise, sie veröffentlichte nur noch gelegentlich, ihre Mitglieder widmeten sich anderen Projekten. Erst 2007 erschien wieder ein reguläres Studioalbum, und die Bandmitglieder begannen wieder, gemeinsam zu touren. Ihr jüngstes Album heißt »Na Solntse« (Auf der Sonne), der gleichnamige Videoclip gewann auf dem Cannes Creativity Festival 2017 einen Bronzenen Löwen.

An diesem Donnerstag geben AuktYon ihr einziges, lang erwartetes Deutschlandkonzert in der »Wabe«. Der Klub macht sich seit Jahren schon um die Auftritte hochkarätiger Bands aus dem Osten verdient. Deshalb ein Hoch auf die »Wabe« und die deutsch-sowjetische Freundschaft - ohne Flaggen und Staatshymnen!

Konzert am 13. Juli, 20 Uhr, in der »Wabe«, Danziger Straße 101, Prenzlauer Berg

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!