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Fachhochschule in Potsdam besetzt

Aktivisten protestieren gegen drohenden Abriss des Gebäudes

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

»Kommt alle rein!«, lautete die Parole. Doch schon nach einer Stunde war dies nicht mehr zu bewerkstelligen. Die Polizei hatte gegen 14 Uhr am Alten Markt die Fachhochschule (FH) Potsdam abgesperrt und wollte niemanden mehr hinein oder hinaus lassen. Um 13 Uhr hatten Aktivisten - die nach eigenem Bekunden die Herrschaft staatlicher Institutionen nicht anerkennen - das Gebäude besetzt. Sie entrollten Banner mit Aufschriften wie »Bitte stehen lassen«. »Stadt für alle« und »Retter*innen gesucht« und verteilten Informationsmaterial, darunter ein Antirepressionshandbuch, das auf einen möglichen Konflikt mit der Polizei vorbereiten sollte.

Schätzungsweise 100 Personen befanden sich am Nachmittag in dem Gebäude, davon vielleicht 60 oder 70 Besetzer. Es blieb unklar, wer genau bei der Aktion mitmacht. Denn obwohl es schon Ersatz für die FH am Stadtrand gibt, wird der zur DDR-Zeiten errichtete Komplex in der Innenstadt im Moment noch von der Fachhochschule genutzt und von Studenten und Dozenten frequentiert. Das machte die Lage unübersichtlich. Doch am 14. Juli ende die Vorlesungszeit des Sommersemesters und damit die Verwendung als Lehrgebäude. Die Abrissbagger könnten nun anrollen, warnten die Besetzer. Sie wollen nicht hinnehmen, dass hier Neubauten hingesetzt werden. Sie möchten mit den Anwohnern diskutieren, was sonst aus dem alten Gebäude werden könnte.

»Wir sehen im Fachhochschulgebäude eine wichtige Ressource, zu der alle Menschen in Potsdam Zugang haben sollten«, verkündete Besetzerin Fritzi Hausten. Sie sprach sich dagegen aus, anstelle der FH historisierende Fassaden und Häuser in Privatbesitz zu errichten. Mitstreiter Franz Haberland ergänzte, stadtpolitisch sei der beabsichtigte Abriss eine Farce. Die Stadt solle in ein Freilichtmuseum verwandelt werden, das nur noch als Fotokulisse tauge. Der FH-Leitung sicherten die Besetzer zu, der Hochschulbetrieb könne ungestört weiterlaufen und man werde nichts beschädigen. Im Gegenteil: Die Instandsetzung habe schon begonnen. Eine Wand wurde von den Aktivisten frisch gestrichen.

Die Besetzer betonten, ihre Absicht sei nicht verhandelbar und sie würden das Haus »freiwillig« nicht aufgeben. Die FH-Leitung stellte ihnen ein Ultimatum von einer Stunde, das bei Redaktionsschluss noch nicht abgelaufen war.

Im vergangenen Jahr hatten mehr als 14 700 Einwohner das Bürgerbegehren »Kein Ausverkauf der Potsdamer Mitte« unterschrieben. Unter anderem ging es dabei um den Erhalt der FH. Doch die Stadt wies das von der Linkspartei unterstützte Begehren als unzulässig zurück. Das hernach entstandene Bündnis »Stadtmitte für alle« meldete am Donnerstag ein Protestcamp vor der FH an: »Start jetzt, mindestens bis Sonntagabend.« Kommentar Seite 11

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