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Wende an Problemschulen

Bildungssenatorin sieht Schulen in sozialen Brennpunkten nach Förderprogramm gestärkt

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

»Deutlich positiv.« So fällt die Bilanz von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach vier Jahren Laufzeit des Förderprogramms »School Turnaround« für zehn Schulen in sozialen Brennpunkten aus. »Der Ansatz, für jede Schule spezifische Unterstützungsangebote bereitzustellen, mit denen sie ihre jeweils selbst gesetzten Entwicklungsziele erreichen kann, war richtig«, sagte Scheeres in ihrem Fazit zum Projektabschluss in der Mensa der Silberstein-Schule in Neukölln. Die Grundschule war eine der an dem Programm teilnehmenden Schulen.

»An allen Schulen ging und geht es im Kern um die Verbesserung der Unterrichtsqualität, aber jede Schule hat dafür ihre spezifischen Ziele definiert«, sagte die Bildungssenatorin. Durch das Programm »School Turnaround« seien alle Projektschulen handlungsfähig und in der Lage, Eigenverantwortung im Interesse der Schüler wahrzunehmen, so Scheeres.

Das Projekt startete 2013 als Gemeinschaftsprogramm der Senatsbildungsverwaltung und der Robert-Bosch-Stiftung. Insgesamt standen über 1,9 Millionen Euro zur Verfügung, um die teilnehmenden Schulen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Sieben Integrierte Sekundarschulen, unter ihnen die Ernst-Reuter-Schule in Gesundbrunnen und die Kepler-Schule in Neukölln sowie drei Grundschulen - neben der Neuköllner Silberstein-Schule noch die Bücherwurm-Schule in Hellersdorf und die Peter-Pan-Grundschule in Marzahn - hatten sich beteiligt. Neben den finanziellen Zuwendungen erhielten die Schulen sogenannte Prozessbegleiter. Sie sollten dabei helfen, Team- und Steuerstrukturen aufzubauen, um damit die Grundlage für eine nachhaltige Schulentwicklungsarbeit zu schaffen.

»Gemessen an ihren individuellen Zielen haben alle Projektschulen eine Schulwende erreicht. Das ist ein großer Erfolg«, sagte die Bildungssenatorin. Als konkretes Erfolgsbeispiel nannte Scheeres die Hektor-Peterson-Schule in Kreuzberg. Im Vergleich zu 2013 konnte hier die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 20 auf fünf gesenkt, die Fehltage um ein Drittel halbiert werden.

Zu den Auswahlkriterien der Schulen gehörten eine geringe Anmeldezahl, geringe Lernbereitschaft, hohe Fehlquoten der Schüler, hohe Schulabbruchzahlen und ein hoher Unterrichtsausfall.

Das sei in jedem Fall gelungen, fand auch die Geschäftsführerin der Robert-Bosch-Stiftung Uta-Micaele Dürig. »Mit dem Projekt haben wir von Beginn an zwei Ziele verfolgt. Wir wollten die zehn Schulen unterstützen, aber auch die Komplexität des Problems besser verstehen und lernen, wie Schulentwicklungsarbeit unter schwierigen Bedingungen gelingen kann«, sagte Dürig. Die während des Projekts gemachten Erfahrungen wolle man zunächst auswerten und im Anschluss Schulverwaltungen und Schulleitungen in anderen Bundesländern zur Verfügung stellen, erklärte Dürig.

Tom Erdmann, Berliner Landesvorsitzender der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), will nicht in die Lobpreisungen von »School Turnaround« mit einsteigen. »Die Robert-Bosch-Stiftung verfolgt für dem Bildungsbereich eine Politik der neoliberalen Umgestaltung, in der Schulorganisation in erster Linie nach Managementprinzipien gestaltet werden soll«, sagte Erdmann dem »nd« am Donnerstag. Auch wenn das Projekt für einzelne Schulen einen wünschenswerten Effekt gebracht habe, habe ein Public-Private-Partnership-Projekt wie »School Turnaround« nichts mit einem demokratischen, öffentlich-steuerfinanzierten Bildungsangebot zu tun, erklärte Erdmann.

Regina Kittler, Bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, hält das Projekt an sich für eine gute Idee. »Alles, was Schulen in Brennpunkten hilft, ist unterstützenswert«, sagte Kittler. Das Projekt habe den zehn Schulen und ihren Schülern in ihrer Entwicklung sehr geholfen. Alle Schulleitungen hätten sich überaus zufrieden gezeigt. Man dürfe hier aber nicht stehen bleiben. »In Berlin gibt es noch genügend andere Schulen mit ähnlichem Profil, die dringend Unterstützung brauchen. Wir brauchen weitere Förderpropramme«, so Kittler.

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