Von Steffi Bey

Mit »Grips« zum Erfolg

Marzahner Bildungsträger bietet in seinem Ausbildungscafé nun auch Konditoren-Umschulungen an

Diane Schulz (M.) mit Meisterinnen Lena Zeidler (l.) und Luisa Brei
Diane Schulz (M.) mit Meisterinnen Lena Zeidler (l.) und Luisa Brei

Am Ende der Straße Alt-Marzahn, wo Kopfsteinpflaster die historischen Bauten verbindet, ist nach endlosen Monaten wieder Leben eingekehrt. Vor und in dem Haus mit der hellen Fassade und dem orangefarbenen Grips-Logo sitzen in diesen Tagen oft Anwohner, die sich über das täglich frische Angebot freuen. »Es ist wunderbar, dass das Café wieder geöffnet hat und es einen tollen Anlaufpunkt gibt«, sagt Elli Wipner.

Wie viele andere Marzahner war sie traurig, als Ende 2015 die Ausbildungseinrichtung geschlossen wurde. Dass es hinter den Kulissen weiterging, die Akademie für Berufsförderung und Umschulung (ABU) gGmbH, einer der größten Bildungsträger in Marzahn-Hellersdorf, dort nach wie vor aktiv war, wissen die wenigsten. »Wir schlossen das Haus nur nach außen und entwickelten im Innern ein neues Konzept«, erklärt Geschäftsführerin Petra Winkelmann.

So werden jetzt im »Grips« keine Lehrlinge mehr ausgebildet, sondern Interessierte zu Konditoren umgeschult. Der Grund dafür, warum sie dieses neue Standbein geschaffen haben, liege in der veränderten Situation auf dem Ausbildungsmarkt. »Vor zwei Jahren kamen schließlich keine Azubis mehr zu uns, das Arbeitsamt und das Jobcenter finanzierte immer weniger Stellen jenseits des freien Ausbildungsmarktes«, sagt die ABU-Chefin. Bekanntermaßen gebe es inzwischen viele freie Plätze auf dem ersten Ausbildungsmarkt.

Vor zehn Jahren, als »Grips« in Marzahn anlief, war das anders. Da fanden junge Frauen und Männer ohne Schulabschluss häufig keine Lehrstelle. Nach dem Motto »Wir haben Grips, wir schaffen das« erhielten sie aber in dem Projekt eine Chance.

Jetzt konzentriert sich der Bildungsträger auf Erwachsene, die sich beruflich umorientieren wollen. Hier bekommen sie die Chance für einen Neuanfang, können sie sich innerhalb von 24 Monaten zu Konditoren ausbilden lassen. »Bundesweit sind wir die einzigen, die überbetriebliche Konditorenumschulungen anbieten«, sagt Sebastian Schmidt, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit der ABU.

Zurzeit betreuen zwei Konditormeisterinnen und ein Sprachlehrer 13 Umschüler. Viele haben einen Migrationshintergrund, türkische, arabische oder osteuropäische Wurzeln. Die Pankowerin Diane Schulz gehört zu den Lernenden. Sie ist Mediendesignerin, war aber nicht glücklich mit ihrem Beruf. Seit Februar lässt sich die alleinerziehende 33-Jährige zur Konditorin umschulen und hat Freude daran. »Ich kann sehr kreativ sein«, sagt sie. Zu den besonderen Herausforderungen gehörten Hochzeitstorten. »Man hat Angst, etwas zu versauen, aber mit viel Übung bekommt man alles hin.«

Die zufriedenen Gäste des kleinen Cafés mit den 22 Sitzplätzen loben zumeist die Kreationen der Umschüler. Neben dem Gestalten der süßen Leckereien gehören ebenso das Einpacken sowie das Bedienen der Kasse zur Ausbildung.

Frank Meinicke leitet den Standort in Alt-Marzahn und lockt mit besonderen Ideen immer mehr Besucher an. So werden einmal monatlich Konditorei-Kurse für jedermann angeboten. Jeden dritten Freitag gibt es zudem Kaffeeklatsch mit Bingo - ein lockeres, lustiges und vor allem schmackhaftes Zusammentreffen von Gleichgesinnten aus dem Kiez.

Die ABU gGmbH will ihre Aktivitäten am Standort noch erweitern. Geplant ist unter anderem, in dem vorhandenen Gebäude auf dem Hof Übernachtungsmöglichkeiten für Umschüler zu schaffen. Gesucht werden außerdem zwei Azubis, die zum Konditor sowie zum Lebensmittelfachverkäufer ausgebildet werden. »Wir möchten sie anschließend gerne vor Ort einsetzen und dann unsere Öffnungszeiten verlängern«, kündigt Petra Winkelmann an.

abu-ggmbh.de

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