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Republik wird kinderfreundlicher

Statistisches Bundesamt: Zahl der Frauen ohne Nachwuchs steigt nicht mehr an

In Deutschland kommen wieder mehr Babys auf die Welt. Statistisch gesehen bekam jede Frau vor zwei Jahren 1,5 Kinder, was zuletzt 1982 der Fall war. Obwohl dies nur eine geringfügige Zunahme der Geburtenrate ist, hat dies für die Kinderbetreuung erhebliche Auswirkungen. Denn erneut müssen Tausende Krippen- und Kindergartenplätze geschaffen werden, um den gestiegenen Bedarf in der Betreuung abdecken zu können.

Die Frage bleibt, ob diese Zunahme nur eine Momentaufnahme ist und sich in wenigen Jahren wieder umkehren kann oder ob eine Phase von drei Jahrzehnten zu Ende geht, in der sich die Quote kinderloser Frauen von 11 auf 21 Prozent fast verdoppelt hatte.

Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamts, konnte darauf am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse des Mikrozensus’ 2016 nur eine vage Antwort geben. Die Kinderlosigkeit sei im vergangenen Jahr nicht weiter angestiegen, hielt er fest und sprach von einem »fragilen Trend«, der in der Bundesrepublik unterschiedlich ausgeprägt sei. So war die Kinderlosigkeit in den Städten insgesamt höher als auf dem Land. Spitzenreiter bei den 45- bis 49-Jährigen war 2016 Hamburg mit 31 Prozent. Und in den westdeutschen Ländern, in denen sich Frauen dieser Generation häufig zwischen Beruf und Kindern entscheiden mussten, war die Kinderlosigkeit insgesamt höher als in den ostdeutschen Ländern.

Noch etwas lässt sich aus den Zahlen ablesen: Die Zahl der kinderlosen Frauen nahm besonders bei den Akademikerinnen ab. Nur noch jede vierte Hochschulabsolventin im Alter von 40 bis 44 Jahren blieb 2016 ohne Nachwuchs. 2012 lag dieser Anteil noch bei 28 Prozent. Die Statistiker vermuten, dass von den neuen Familienleistungen wie dem Elterngeld gut verdienende Akademikerinnen mehr profitieren als Geringverdienerinnen und dies Einfluss auf die Entscheidungen von Paaren hat, Kinder zu bekommen.

Insbesondere gut ausgebildete Frauen scheinen die verbesserte Kleinkindbetreuung zu nutzen, um zügig ins Erwerbsleben zurückzukehren. Mehr als die Hälfte der Akademikerinnen (58 Prozent) arbeiteten 2016 wieder, als ihr jüngstes Kind ein Jahr alt war. Erreichte das letztgeborene Kind ein Alter von zwei Jahren, war bereits drei Viertel der Akademikerinnen zurück im Job.

In abgeschwächter Form lässt sich dieser Trend unter allen Müttern ausmachen: So arbeiteten im vorigen Jahr 44 Prozent der Mütter, als ihr jüngstes Kind ein Jahr alt war. Vor acht Jahren waren dies noch 36 Prozent. Bei Müttern, deren zuletzt Geborenes zwei Jahre alt war, waren es 2016 sogar mehr als die Hälfte (58 Prozent). Dies ist ein deutlicher Zuwachs von zwölf Prozent im Vergleich zu 2008.

Besonders der Ausbau der Kleinkindbetreuung und der damit verankerte Rechtsanspruch auf einen Platz dürfte der Grund für diese Entwicklung sein, erklärte der Statistiker Thiel. Doch auch die stabile Konjunktur und die geringe Arbeitslosigkeit begünstigten diesen Trend.

Festzuhalten bleibt aber, dass trotz einer zuletzt leicht gestiegenen Geburtenrate Deutschland neben der Schweiz, Italien und Finnland weiterhin zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit in Europa gehört. Inwieweit die gestiegene Zuwanderung der vergangenen zwei Jahre Einfluss auf die demografische Entwicklung nimmt, bleibt dagegen für die Statistiker eine noch unbeantwortete Frage.

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