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München und sein Schatz im Mangfalltal

Wie Bayerns Hauptstadt ihr Trinkwasser bekommt

  • Von Wera Engelhardt, München
  • Lesedauer: 3 Min.

Tief in Oberbayern, 40 Kilometer südlich von München, liegt ein Schatz im Boden. Nicht aus Silber oder Gold, aber trotzdem von unschätzbarem Wert für die Münchner. Im Mangfalltal im Alpenvorland entspringen die Quellen, die die Landeshauptstadt mit sauberem Trinkwasser versorgen. 80 Prozent des Münchner Trinkwassers kommen von dort. Die Gewinnungsanlagen für das Grundwasser liegen etwa 100 Meter höher als die Stadt. Das macht es möglich, das Wasser in freiem Gefälle nach München zu leiten - ohne zusätzlichen Energieaufwand.

Gleichzeitig ist das Wasser aus den Quellen von Natur aus so sauber, dass es unaufbereitet in die Leitungen der Millionen Haushalte fließt. Als »Geschenk der Natur« preist es die Leiterin des Trinkwasser-Labors der Stadtwerke München, Karin Thelen.

Sie und ihr Team wachen über die Wasserqualität. Pro Monat nehmen sie rund 1200 Proben an verschiedenen Stationen zwischen dem Quellgebiet und den Münchner Leitungen und analysieren sie im Labor auf chemische und mikrobiologische Werte. Die Wissenschaftler untersuchen das Wasser unter anderem auf Schwermetalle, Nitrat und Pflanzenschutzmittel, aber auch auf Bakterien, zum Beispiel den potenziellen Krankheitserreger Escherichia coli (E.coli).

Dabei helfen ihnen viele Maschinen. Die Suche nach Bakterien erfolgt aber noch von Hand. Laborant Raphael Kiener zeigt, wie man E.coli auf die Schliche kommt: Mit einer langen Pipette füllt er eine Wasserprobe in eine Petrischale. Dazu gibt er ein Substrat, also eine Nährlösung. Sie bewirkt, dass sich mögliche Bakterien vermehren und dadurch sichtbar werden.

Hat sich die Probe nach 20 bis 24 Stunden gelb verfärbt, ist die Probe positiv auf sogenannte coliforme Bakterien getestet - ein Anzeichen dafür, dass das Wasser verschmutzt sein könnte. Ist die Probe zusätzlich noch fluoreszierend, dann enthält das Wasser E.coli-Bakterien.

»In unseren Trinkwasserproben finden wir nichts«, sagt Laborleiterin Thelen. Ein negatives Ergebnis ist natürlich ein gutes Ergebnis: »Das Trinkwasser soll für alle Menschen ein Leben lang völlig unbedenklich genießbar sein.«

Das ist nicht selbstverständlich. Noch vor etwas mehr als 100 Jahren wurde München immer wieder von Cholera- und Typhus-Epidemien heimgesucht, denn das Wasser aus Stadtbächen und Brunnen war dreckig. Max von Pettenkofer, bayerischer Chemiker und erster Hygieniker Deutschlands, erkannte, wie dringend die Stadt sauberes Trinkwasser brauchte. Auf seine Initiative hin begaben sich Münchens Stadtväter auf die Suche nach Wasserquellen und wurden schließlich im Mangfalltal fündig.

Ingenieure gruben und mauerten in zwei Jahren ein System von Leitungen auf der 40 Kilometer langen Strecke. 1883 floss zum ersten Mal Wasser aus dem Tal nach München. Anfang der 1950er Jahre, als der Wasserbedarf stieg, entschloss sich der Stadtrat dazu, auch das Loisachtal zwischen München und den Alpen zu erschließen.

Heute gilt das Münchner Trinkwasser als eines hochwertigsten in Europa. Die meisten Bürger haben Vertrauen in das Wasser aus dem Hahn, »denn sie kennen das Alpenvorland«, sagt Thelen. Trotzdem wünscht sie sich, dass in Deutschland noch mehr Menschen erkennen, dass Leitungswasser tatsächlich trinkbar ist: »Es ist das am besten überwachte Lebensmittel - und auch sehr viel günstiger als Wasser aus dem Supermarkt.« dpa/nd

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