Von Thomas Blum

Lauschen. Flüstern. Klein werden.

Thomas Blum gefällt, was die neue Volksbühnenleitung auf Facebook treibt

Lauschen. Flüstern. Klein werden.

Mein Facebook-Account teilt mir mit: »Eine Seite, die dir gefällt (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz), hat ihren Namen in ›Volksbühne Berlin‹ geändert.« Das ist schön. So wird von der neuen Volksbühnenverwaltung Klarheit geschaffen. Ein Bekenntnis zum eigenen Mitläufertum wird abgelegt und gleichzeitig der Gesellschaft die eigene Bereitschaft zur totalen Affirmation signalisiert: Rosa Luxemburg und der andere linke Krempel sollen bitteschön im Gedächtnisloch verschwinden, stattdessen steht da jetzt ein zielgruppenaffiner Markenname, wie man heute sagen würde: »Berlin«. Selten war eine umstandslose Namensänderung aussagekräftiger: Kultur und Reklame unterscheiden sich im Grunde nicht voneinander. Vielleicht sollte man wenigstens ein Mal konsequent sein und das Haus gleich in »VOLKSWAGENbühne« umbenennen.

Was als erster Post auf dem gekaperten alten Volksbühnen-Account zu lesen ist, passt zum neuen Selbstverständnis als Eventschuppen für Grünteetrinker: »Die Sinne schärfen. Sich ins Detail versenken. Das Gesamte vom kleinsten Teil denken. Lauschen. Flüstern. Klein werden. Raus aus dem Totalzusammenhang. Kommt zusammen!« Man kann über diese Mischung aus armseligem Esoterikgestammel und Bedeutung simulierendem Therapiestundenblabla lachen. Doch wie immer ist es bitter ernst.

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