Kinderarmut nimmt zu

Flüchtlingszuzug nach Deutschland schlägt sich in Sozialstatistik nieder

Berlin. Vor dem Hintergrund des Flüchtlingszuzugs hat die Kinderarmut in Deutschland einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge spürbar zugenommen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, sei im vergangenen Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 20,3 Prozent gestiegen, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung. Das entspreche rund 2,7 Millionen Menschen unter 18 Jahren.

Die große Zahl der in den vergangenen Jahren nach Deutschland geflüchteten Kinder und Jugendlichen schlägt sich demnach verstärkt in der Sozialstatistik nieder. Dagegen seien die Armutsquoten unter Kindern und Jugendlichen, die keinen Migrationshintergrund haben oder als Kinder von Migranten in Deutschland geboren wurden, leicht rückläufig. Viele der 2016 als armutsgefährdet ausgewiesenen Kinder dürften den Angaben zufolge bereits 2015 zugewandert sein.

In der amtlichen Armutsstatistik tauchten sie jedoch mit zeitlicher Verzögerung auf: Die Armutsquote bezieht sich nur auf Personen in Privathaushalten. Viele Flüchtlingsfamilien lebten aber Ende 2015 in Sammelunterkünften und wurden daher zunächst ausgeklammert. Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte die Politik auf, die Bekämpfung der Kinderarmut sowie verstärkte Integrationsmaßnahmen für zugewanderte Kinder und Jugendliche zu einer Priorität in der neuen Legislaturperiode zu machen. Es ist an der Zeit, dass sich die positive wirtschaftliche Lage in Deutschland endlich auf die Situation armer Kinder und Jugendlicher auswirkt«, so Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann. AFP/nd

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