Madame Danone

Personalie

Die französische Arbeitsministerin Muriel Pénicaud hat im Kabinett Philippe II eine Schlüsselposition inne. Denn ihr Ministerium trägt die Verantwortung für das vorerst wichtigste Projekt der noch jungen Regierung: Die sogenannte Reform des Arbeitsmarktes, die am Donnerstag auch vom Senat grünes Licht erhalten hat. Bei der »Reform« geht es vor allem darum, den Einfluss von Arbeitnehmervertretungen zu beschneiden, betrieblichen Pakten Vorrang vor gesetzlichen Regelungen einzuräumen und das Arbeitsrecht zugunsten der Unternehmer zu flexibilisieren. Zum Beispiel, indem Abfinden bei unrechtmäßigen Kündigungen verbindlich gedeckelt werden.

Seit Wochen tourt Ministerin Pénicaud durch die Lande und erzählt den Franzosen, warum die Reformen notwendig und gerecht seien. Auch die Gewerkschaften von den Plänen zu überzeugen und ins Boot zu holen, gehört zu ihren Aufgaben.

Nun steht die 62-jährige öffentlich unter Druck. Die linke Zeitung »L’Humanité« hat Details zu Pénicauds Vergangenheit als Managerin veröffentlicht, die kein gutes Licht auf die Ministerin werfen. Oder besser gesagt: Man könnte den Eindruck gewinnen, dass hier eine am Werk ist, die klar auf Seite der Unternehmer steht.

Pénicaud war fast 20 Jahre lang als Managerin für verschiedene Großkonzerne tätig. Die erhobenen Vorwürfe betreffen ihre Zeit als Personalchefin beim Lebensmittelmulti Danone, wo sie von 2008 bis 2013 diente. Wie nun bekannt wurde, erzielte Pénicaud im Februar 2013 mit dem Einlösen von Aktienoptionen 1,1 Millionen Euro privaten Gewinn an nur einem Tag. Das Pikante daran ist, dass der Preis der Aktien gestiegen war, nachdem sie selbst den Abbau von 900 Stellen verkündet hatte. Zwar war das legal, die Enthüllungen dürften für die Regierung dennoch zur Unzeit kommen: Neben der Arbeitsmarkreform wurde am Mittwoch und Donnerstag der erste Teil von Macrons »Moralgesetz« in Senat sowie Nationalversammlung verabschiedet. Es soll Interessenkonflikten und Vetternwirtschaft in der Politik Einhalt gebieten.

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