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Bessere Menschen?

Steffen Schmidt über neue Versuche gentechnischer Keimbahntherapien

Ist eine ererbte genetische Abweichung ein Defekt, eine Krankheit oder einfach eine natürliche Variation des Menschen? Strittig ist das wohl kaum bei blauen oder braunen Augen. Vermutlich auch nicht bei genetisch ausgelösten lebensbedrohlichen Krankheiten. Bei allen Dingen, die dazwischen liegen, allerdings gab und gibt es kaum Konsens. Deswegen wird es auch weiterhin kaum Einigkeit geben zwischen jenen Eltern, die ihr Kind unabhängig von eventuellen ersten genetischen Beeinträchtigungen bekommen und aufziehen wollen, und jenen, die mithilfe der Präimplantationsdiagnostik oder der Gentechnik ihrem Kind die Last einer schweren Krankheit ersparen wollen. Bessere Menschen sind weder die einen noch die anderen. Das gilt ebenso für ihre Kinder. Das eigentliche Problem besteht nicht in den verschiedenen Formen des Umgangs einzelner mit Krankheiten, sondern im Umgang einer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft mit kranken Menschen. Wenn neue Methoden, erbliche Krankheiten zu vermeiden, zum gesellschaftlichen Druck, zur genetischen Auslese führen, sind eben nicht die Methoden das Problem, sondern die Gesellschaft. Begünstigt wird das freilich auch durch Wissenschaftler, die das Blaue vom Himmel versprechen und dabei die noch ungeklärten Fragen bestenfalls unter Fachkollegen debattieren.

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