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Meisterbräu statt Meistersinger

Was dem einen die Bayreuther Festspiele sind, ist dem anderen die Bayreuther Bierkultur

  • Von Robert B. Fishman
  • Lesedauer: 4 Min.

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Vom Maurersepp aus München schauen nur noch die Füße aus der Wand. »Er wurde beim zu lange Brotzeitmachen von unseren schnellen Handwerkern eingemauert«, erklärt das Schild neben der skurrilen Installation. Fränkischer Humor im arbeitsamen evangelischen Bayreuth über die katholischen Oberbayern. Fleißig waren sie tatsächlich in der oberfränkischen Bezirkshauptstadt zwischen Fichtelgebirge und der Fränkischen Schweiz. Weil man Erze unter der Stadt vermutete, ließen die Landesherren im späten Mittelalter kilometerlange Stollen graben. Gefunden wurde nichts. In den folgenden Jahrhunderten hatten die Bayreuther Brauereien eine kühle Lagerstätte für ihr Bier und die Stadt heute eine Touristenattraktion mehr.

Unter Maisel’s Brauerei führen Treppen in die Stollen, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker zahlreichen Bayreuthern das Leben retteten. Auf einem der hölzernen Stützpfeiler hat einer von ihnen jeden Luftangriff und jeden Fliegeralarm mit Datum und Uhrzeit notiert. Erst in den letzten Kriegswochen legten US-Bomber weite Teile der Nazi-»Gauhauptstadt« in Schutt und Asche. Den größten Schaden richtete ein Wehrmachtssoldat an, der während eines Luftangriffs Akten verbrannte. Das Feuer erfasste die Nachbarhäuser und vernichtete die komplette Nordseite der heutigen Haupteinkaufsstraße.

Noch mehr als die Flieger zerstörten Stadtplaner in den 60er und 70er Jahren. In ihrem Irrglauben an die autogerechte Stadt ließen sie für den Innenstadtring ganze Häuserzeilen abreißen. Heute legt sich die vierspurige laute Straße wie ein Belagerungsring um das Stadtzentrum. Ein Bach trennt den Ring von einem wuchtigen roten Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert. »Brauerei Gebr. Maisel, Bayreuth« steht in weißer Schrift unter dem Giebel des fünfstöckigen Bauwerks. Durch den neuen Biergarten mit Loungesofas, Grillplatz und einem künstlichen Teich gelangen die Gäste an die Theke mit ihren 21 Zapfhähnen und einem wandfüllenden Bierregal. Mehr als 120 Sorten Flaschenbier aus aller Welt serviert die »Liebesbier« genannte Brauereiwirtschaft zu Leckereien aus heimischen Zutaten.

Bier-Sommelier Michael König erzählt von Bier mit Gurkengeschmack, flämischem Kirschbier und Eisbock. Das hauseigene Gebräu wird dafür eingefroren und wieder aufgetaut. Weil Alkohol schneller schmilzt als Wasser entsteht so ein Konzentrat mit rund 20 Prozent Alkohol.

»Am liebsten habe ich fünf verschiedene Biere vor mir und probiere sie alle«, schwärmt Sommelier König und nippt versonnen lächelnd an einem Glas mit goldgelbem Inhalt. Im »Liebesbier« hat der 40-Jährige seinen »Traumjob« gefunden. Angefangen hat der gelernte IT-Fachmann als Hobbyblogger über Biersorten. Später ließ er sich zum Biersommelier ausbilden und betrieb einen Onlineshop für Craft-Biere. Dann fing er an, Seminare und Verköstigungen anzubieten. »Da erzählen wir die Geschichte des Bieres und spielen gerne mit dem Halbwissen der Gäste«, erzählt König schmunzelnd.

Gerne frönt er seiner Leidenschaft mit dem Koch vom »Liebesbier«, der den hauseigenen Gerstensaft zu ausgefallenen Gerichten wie Salat an Biervinaigrette oder Weißbiereis verarbeitet. Serviert werden saisonale Gerichte aus regionalen Produkten wie Saibling oder Lachsforelle aus oberfränkischen Fischteichen, Fleisch von Frankenrindern, die das ganze Jahr draußen leben, oder frischer Ziegenkäse eines oberfränkischen Bauern. Konzernware gibt es hier nicht: Statt Coca Cola oder Pepsi Hermann-Cola, statt Granini Säften aus Franken und selbstgemachten Limonaden.

Nach dem Umzug der Brauerei in einen Neubau hat Maisel’s das alte Brauhaus erhalten. Es beherbergt neben Liebesbier-Gaststätte, Shop und Seminarraum auf 4500 Quadratmetern das »umfassendste Brauereimuseum der Welt«. Das zumindest besagt ein Eintrag im Guinessbuch der Rekorde. In der original erhaltenen Hopfenkammer hängen die Dolden noch zum Trocknen an den Wänden und an der Decke. Der würzige Duft der Pflanzen füllt den Raum. Erhalten geblieben sind auch das Sudhaus mit den Kesseln aus den 50er Jahren und das Maschinenhaus mit den beiden noch funktionsfähigen Dampfmaschinen aus den 30ern. Auf Führungen folgen die Besucher dem Weg des Bieres von den Rohstoffen bis zur Abfüllung.

Wer noch mehr wissen und probieren will, meldet sich zu einem Food-Pairing an. Unter Anleitung probieren die Teilnehmer verschiedene Biere in ungewöhnlichen Kombinationen mit Lebensmitteln, zum Beispiel Pralinen und Schokolade. In der ersten Runde schenkt ein Mitarbeiter den Gästen ein Glas »Jeff’s Bavarian Ale« ein: »Ein Weißbier-Bock als moderne Weißbier-Interpretation«, verkündet der Seminarleiter und empfiehlt, erst mal einen Schluck davon zu probieren. Anschließend beiße man in die mit Passionsfruchtgelee gefüllte Praline namens 1001 Nacht der Confiserie Strorath und begieße den Bissen mit einem weiteren Schluck. Schade um die fantastische Praline, denkt man zunächst. Doch die Kombination schmeckt ungewöhnlich, aber erstaunlich lecker. Später gibt es ein malzlastiges 16-prozentiges Starkbier zu weißer Schokolade und andere ungewöhnliche Kreationen.

Zum Feierabend trinkt Biersommelier Michael König wie die Münchner dann doch am liebsten »ein ganz normales Helles«.

Infos

www.biererlebniswelt.de

Brauereiwirtschaft Liebesbier: www.liebesbier.de

Tourismusinfos Bayreuth: www.bayreuth.de

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