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Spielen in Paris, Werben für Katar

Allerlei Unanständigkeiten beim Wechsel des Fußballers Neymar vom FC Barcelona zu Paris St. Germain

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Juan de Dios Crespo lachte, immer wieder - und winkte fröhlich in die Kameras. Die gute Laune des spanischen Anwalts konnte auch sein Landsmann Javier Tebas nicht trüben. »Wir werden das Geld eines solchen Klubs wie PSG nicht akzeptieren. Dieser Klub bricht Regeln und Gesetze«, schimpfte Spaniens Ligaboss. Zu den Besonderheiten des spanischen Fußballs gehört unter anderem, dass Ablösesummen erst über den Ligaverband laufen, um dann bei den betreffenden Vereinen anzukommen. Und so verweigerte Tebas am frühen Donnerstag die Annahme von 222 Millionen Euro für den Wechsel des Brasilianers Neymar vom FC Barcelona zu Paris St. Germain.

Abgesehen von der neuen Rekordsumme für einen Fußballer, weist auch der Transfer Neymars allerlei Besonderheiten auf. Juan de Dios Crespo vertritt den Brasilianer. Wenige Stunden nach dem rührenden wie hilflosen Versuch von Tebas war die Stimmung des Anwalts noch mal deutlich gestiegen. Am Donnerstagabend wurde das Geschäft schließlich doch abgeschlossen. Am Freitag schon jonglierte Neymar im Pariser Prinzenpark und die PSG-Anhänger stürmten die Fanshops, um ein Trikot des neuen Stars zu ergattern - mit der prestigeträchtigen Nummer 10. Die hatte der argentinische Mittelfeldspieler Javier Pastore dem Neuankömmling schon Tage vor dem Wechsel ganz selbstlos angeboten: »Ich möchte, dass er vom ersten Tag an glücklich ist.« Pastore läuft in der kommenden Saison für den Klub lieber mit der 27 auf.

Warum also bezahlt ein privater Anwalt die Ablösesumme für seinen Klienten? Ganz einfach: Weil Neymar seinen Wechsel aus eigener Tasche bezahlt. So ganz stimmt das auch nicht. Denn vor der Vertragsunterzeichnung bei Paris St. Germain hatte der 25-Jährige noch einen anderen Kontrakt unterschreiben - bei Qatar Sports Investments. 300 Millionen Euro ist es dem katarischen Staatsfond wert, dass der Starkicker mit Glamourfaktor künftig für das Emirat wirbt - als Sonderbotschafter für die Fußball-WM 2022.

Am Freitag, bei der Vorstellung von Neymar in Paris, stand Nasser Al-Khelaifi neben dem Brasilianer. Sie schüttelten sich die Hände, lächelten um die Wette und präsentierten das neue Trikot. Al-Khelaifi ist seit 2011 Präsident des Klubs. Aber eben nicht nur das. Er ist auch Vorstandsvorsitzender von Qatar Sports Investments. Und dieser QSI wiederum gehört der Pariser Fußballverein.

So langsam wird also klar, warum Javier Tebas gegen diesen Wechsel klagen will - bei der UEFA und der Europäischen Union. Dass der spanische Ligaboss nebenbei um die Attraktivität seines eigenes Produktes fürchtet, sei dahingestellt. Aber es gibt eben Regeln. Zum Beispiel diese »Financial Fairplay« vom europäischen Fußballverband UEFA. Das besagt unter anderem, dass ein Verein in einem Zeitraum von drei Jahren nicht mehr als 30 Millionen Euro Verlust machen darf. Und ein Investor darf Verluste nur bis zu einer Höhe von 45 Millionen Euro ausgleichen.

Diese und noch andere Grenzen sprengt der Neymar-Transfer allemal. Rechnet man alles zusammen, kann einem sogar schwindlig werden. 800 Millionen Euro sollen es sein - mit der Ablösesumme, dem Gehalt von 30 Millionen Euro beim Fünfjahresvertrag, dem Handgeld von 100 Millionen für Neymar, dem Handgeld für seinen Vater und Berater von 40 Millionen, dazu jede Menge Steuern und Honorare für Anwälte, Berater und so weiter und so fort.

Klingt nach viel Geld. Für Katar aber nicht. Das schwerreiche Emirat versucht gerade jetzt alles, um aus seiner politischen Isolation herauszukommen. Im Juni haben die arabischen Nachbarn Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Der Vorwurf: Das Emirat unterstütze aktiv den Terrorismus. Zudem stehen ja immer noch die Vorwürfe im Raum, dass es bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 nicht ganz so sauber zugegangen sei und dass auf den WM-Baustellen schon Hunderte Arbeitsmigranten ihr Leben verloren haben.

Im Kampf um internationale Anerkennung spielt der Sport schon seit jeher eine Rolle. Doha soll künftig die Hauptstadt des Weltsports werden - genau so steht es in der »Qatar National Vision 2030«. Also angelt sich das Emirat jede Menge großer Ereignisse ins Land: Weltmeisterschaften im Fußball, Schwimmen, Turnen, der Leichtathletik. Olympische Spiele soll es auch bald geben, 2028 hofft man in Katar.

Und man holt sich einen Sympathieträger wie Neymar. Die UEFA hat zwar versprochen, diesen Wechsel zu prüfen, hat aber in der Vergangenheit bei den großen europäischen Vereinen eher tatenlos zugesehen, wenn Regeln bei Transfergeschäften gebrochen wurden.

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