Atomkritische Nachwuchsförderung

Sommerakademie geht ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit der Endlagersuche nach

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Die Suche nach einem sicheren Endlager für radioaktiven Müll wird noch Generationen beschäftigen. Und: Sie birgt Zündstoff für weitere Auseinandersetzungen. Selbst wenn sich die politische Vorgabe erfüllen und bis 2050 ein Endlager errichten ließe, werden viele Akteure der Anti-Atom-Bewegung das nicht mehr erleben. Wer wird dann den Prozess kritisch begleiten?

Erstmals veranstaltete deshalb das Fachportal atommüllreport.de vergangene Woche eine Sommerakademie. In Wolfenbüttel diskutierten 20 Studierende und Akademiker mit Experten über technische, medizinische und geologische Aspekte der Atommülllagerung. Ziel sei, so Projektleiterin Ursula Schönberger, »Wissen zu sichern, Erfahrungen weiterzugeben und neue Diskussionen anzuregen«.

Die Idee zu der neuen Form kam aus der überregionalen Atommüllkonferenz. Die heterogene Anti-Atomkraft-Bewegung besteht im Wesentlichen aus Bürgerinitiativen an Atomstandorten. Darüber hinaus gibt es regionale und landesweite Vernetzungen und bundesweit die eher fachlich orientierte Atommüllkonferenz, in der auch Verbände und kritische Wissenschaftler mitarbeiten. Hier wurde 2012 erstmals eine komplette Bestandsaufnahme des Atommülls in Deutschland durchgeführt, entstand 2014 die Internetplattform atommüllreport.de, jetzt die Sommerakademie und gemeinsam mit der BUND-Jugend das Projekt »Jugend trifft Erfahrung«. Denn, so Schönberger, es sei absehbar, dass die Endlagerfrage insbesondere die nächste und übernächste Generation fordern werde.

Bis Ende 2031, so strebt es das im März beschlossene Endlagersuchgesetz an, soll ein Standort ausgewählt werden, an dem bis 2050 ein Endlager entstehen soll. Da das Gesetz kein Vetorecht der ausgewählten Region vorsieht, notfalls auch gegen den Willen der Anwohner. 2034 werden die Genehmigungen für die Zentrallager Gorleben und Ahaus enden, sowie 2046 für die Zwischenlager an Atomkraftwerken. Ob diese verlängert werden und was sonst mit dem gelagerten Müll geschehen würde, ist unklar.

Selbst wenn das Endlager, trotz des zeitintensiven Prozesses, planmäßig den Betrieb aufnimmt, werden die Teilnehmer des Sommercamps das Einlagerungsende nicht mehr erleben. Aufgrund der zeitlichen Dimensionen sowie des schnellen Wandels der Informationstechnologie ergab sich in Wolfenbüttel die Frage, wie man sicherstelle, dass in 300 Jahren niemand an der Endlagerstelle bohre und Atommüll freilege.

Informiert wurde auch über Berufsperspektiven und konkrete Jobangebote im Bereich der Endlagersuche und der kritischen Prozessbegleitung. In Anbetracht des Fachkräftemangels hatte das Forschungsministerium 2012 das Projekt ENTRIA gestartet, mit dem fünf Jahre interdisziplinäre Endlagerforschung gefördert wurden. Es endet im August und kostete insgesamt 15 Millionen Euro.

Die Teilnehmer der Sommerakademie mussten die 100 Euro Teilnahmegebühr dagegen selbst bezahlen. Die 19-jährige Mathematikstudentin Tanja Küfner reiste aus Würzburg an. Ihr Zugang sei Nachhaltigkeit. »Es ist wichtig, kritischen Sachverstand weiterzugeben und den Blick für gesundheitliche Risiken zu schärfen.« Aktuell sei sie nicht im Anti-Atom-Bereich aktiv, würde aber schauen, was es an Optionen gäbe. »Aus meiner Sicht war es erstaunlich zu sehen, was man alles nicht weiß«, sagte Torsten Weber. Der 26-Jährige studiert Energie- und Umwelttechnik an der Hochschule Ruhr West. »Und wie sehr es nötig ist, dass Menschen sich engagieren. Sowohl gesellschaftlich und politisch, als auch technisch.« Vor dem jahrzehntelangen Engagement der Akteure hat er Respekt.

Mitte der 1960er Jahre überredete die Bundesregierung die Stromkonzerne mit finanziellen Anreizen, in Atomtechnik zu investieren. Ab den 1970ern begannen die Bürger, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zuerst aus Furcht vor dem Dampf aus den Kühltürmen, dann auf Basis fachlicher Kritik. Das ist lange her und ob die gesetzlich vorgesehene Öffentlichkeitsbeteiligung ähnliche Impulse schaffen kann, muss sich zeigen.

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