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Nach dem Regen kommen die Kosten

Das größte und modernste Tierheim Europas muss nach dem Regensommer für Millionen Euro saniert werden

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.

Manchmal lassen sich die Schäden des Regens erst abschätzen, wenn es wieder trocken ist. Am 22. Juli tropfte ins größte und modernste Tierheim Europas das Wasser aus den Lampenschächten, neben dem Verwaltungsgebäude waren auch Krankenbereiche für Hunde und Katzen und die Arztpraxis betroffen. Einige Tiere mussten in Notfallunterkünften untergebracht werden, darunter auch erst kürzlich operierte.

Vergangene Woche untersuchte ein Bauexperte das 13.000 Quadratmetergroße Dach und teilte dem Träger, dem Tierschutzverein für Berlin und Umgebung, eine erschütternde Nachricht mit: Das Wasser, das sich seinen Weg durch Lichtschächte und Mauerfugen gebahnt hatte, hat einige Teile der Isolation regelrecht aufgeweicht. Auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach ist gefährdet. Auf das Tierheim im Bezirk Lichtenberg kommt eine millionenteure Sanierung zu. Zwar ist die Leitung mit der Versicherung im Gespräch, allerdings ist unklar, ob die Versicherung haftet. Der Verein bleibt somit in Ungewissheit, welche finanziellen Forderungen auf ihn zukommen.

Die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins, Ines Krüger, wählt einen bildlichen Vergleich, um auf die Situation des Tierheims aufmerksam zu machen: »Unseren Tieren steht das Wasser im Sinne des Wortes bis zum Halse.« Der Verein sei auf eine solche Naturkatastrophe nicht vorbereitet gewesen und ist nun auf Hilfe angewiesen. Krüger wendet sich an den Senat und erhofft sich unbürokratische und schnelle finanzielle Unterstützung aus Mitteln des Notfallfonds, sonst werde das Tierheim die nächsten Regenfälle nicht überstehen. Gleichzeitig richtet sich ihr Appell auch an die Berlinerinnen und Berliner: Über die Onlineplattform betterplace.org können sie für die Sanierung spenden. Mit Erfolg: Seit dem Wochenende sind bereits fast 30.000 Euro eingegangen, mehr als tausend Menschen haben sich beteiligt.

Derzeit sind fast 1400 Tiere im Heim, erzählt Annette Rost, Leiterin der Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Auf das Jahr gerechnet werden an die 10 000 Tiere versorgt. Neben den üblichen Verdächtigen - Hund, Katze, Maus - auch viele Exoten wie ein Leguan, dessen früherer Besitzer verstorben ist. Manche der Tiere stammen aus Beschlagnahmungen der Polizei oder des Veterinäramts, 14 Lisztäffchen stammen aus einer ehemaligen Tierversuchsstation.

Der Tierschutzverein existiert seit 1841, vielen ist das Tierheim noch unter dem alten Standort in Lankwitz ein Begriff. Das dortige Gebäude, das 1901 gebaut wurde, war aber zu klein, sodass der Verein 2001 in den Neubau in Falkenberg umzog. Dort haben die Tiere auf 22 Hektar viel Platz.

Der Tierschutzverein finanziert sich ausschließlich über Spenden, Nachlässe und Mitgliedsbeiträge. Das Gelände in Falkenberg wurde über Eigenmittel erworben, die Gebäude auch mit Spenden finanziert. Doch seit einigen Jahren bemerkt Rost, dass die Spendenbereitschaft deutlich nachlässt. Für sie steht fest, dass der Betrieb des Heims ohne regelmäßige finanzielle Unterstützung des Landes auf Dauer nicht gewährleistet werden kann.

Rost sieht den Senat in der Pflicht. Das Tierheim übernehme kommunale Aufgaben, die amtliche Tiersammelstelle der Hauptstadt befindet sich auf dem Gelände. Zwar bezahle die Stadt für den Aufenthalt der von Polizei und Veterinäramt abgelieferten und zuvor beschlagnahmten Tiere, allerdings nur für 30 Tage, in seltenen Ausnahmefällen auch für 60. Durchschnittlich bleibe ein Hund aber 148 Tage. Auch sei die Höhe der Tagespauschale - bei Hunden unter 25 Euro, bei Katzen unter 16 Euro - nicht sonderlich hoch.

Mit dem rot-rot-grünen Senat sei allerdings ein Wandel eingeleitet worden. Rost sieht deutlich mehr Gesprächsbereitschaft, Fachkompetenz und Interesse aufseiten der für sie zuständigen tierschutzpolitischen Sprecher. Auch dass es mit Diana Plange nun eine hauptamtliche Tierschutzbeauftragte gibt, sei ein riesiger Fortschritt. Die hatte sich auch für den Montagnachmittag zu einen Termin angekündigt, um sich die Wasserschäden am Gebäude anzuschauen.

Um dem Senat zu zeigen, dass es in der Bevölkerung Zustimmung für eine regelmäßige finanzielle Unterstützung gibt, bereitet der Tierschutzverein eine Petition vor und hofft auf viele Unterschriften.

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