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Robo-Advisor - vertrauen Sie einem Computer?

Internet und Geldanlage (Teil 2)

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Gesucht wird eine Zauberformel für die Geldanlage im 21. Jahrhundert. Geht es nach einigen Reklamestrategen in der Finanzwirtschaft, stehen alle Vermögensfragen kurz vor ihrer endgültigen Beantwortung. »Robo-Advisor« heißt das Zauberwort. Robo-Advisoren - deutsch: Roboter-Ratgeber - versprechen uns, die nächste Generation der Geldanlage zu sein: Sie legen unser Geld automatisiert an, sie sind schlauer als Bankberater - und dazu sind sie noch günstiger als die Sparkasse.

Aktive und passive »Berater«

Es gibt zwei Arten von Robo-Advisoren. »Aktive« Robo-Advisor sind jederzeit in der Lage, Kundenportfolios umzuschichten und auf aktuelle Entwicklungen an den Wertpapiermärkten zu reagieren. Somit besteht die Chance, die durchschnittliche Marktrendite zu schlagen.

»Passive« Robo-Advisor stellen ein Portfolio zusammen, welches nach der Depoteröffnung durch den Kunden nicht mehr verändert wird. Es findet kein aktives Umschichten statt. Die Rendite hängt vom Wachstum der Märkte ab.

Doch ein Testbericht verschiedener Robo-Advisoren hat ergeben: Nicht alle Anbieter sind so klug wie ihr Name suggeriert. Getestet wurden von dem Internetanbieter Robo-Advisor.de ein gutes Dutzend Roboter-Anleger. Gegründet wurde dieser Internetdienst von Amateur-Spekulanten, die selbst jahrelang an der Börse aktiv waren.

»Dass der klassische Bankberater auf Dauer nicht konkurrenzfähig ist, war den meisten schon lange klar«, versichert ein Sprecher des Anbieters. Der Grund: Zu hoch sind die Kosten der Beratung. Durch vorgeschriebene Beratungsprotokolle - die eigentlich dem Verbraucherschutz dienen sollen - wurden sie noch weiter in die Höhe getrieben.

Ein Robo-Advisor könne da Abhilfe schaffen, denn eigentlich lasse sich jeder Anlagetyp in eine von fünf, sechs Risikoklassen einstufen. Das kann eine persönliche und damit teure Beratung überflüssig machen.

Kosten und Nutzen

An dem Kostenargument ist etwas Wahres dran. Außerdem zeigen Studien, dass Bankberater nur selten besser abschneiden als »der Markt« und die dortige Durchschnittsrendite. Allerdings zeigt sich auch im Roboter-Test, dass die Kosten gar nicht so niedrig sind wie ursprünglich angenommen. Die noch weitgehend unbekannten Robo-Advisor geben schließlich viel Geld für Reklame aus, um öffentlich wahrgenommen zu werden. Und Gewinn machen wollen deren Initiatoren schließlich auch noch.

Zu den Gebühren für die Dienstleistung des Maschinen-Beraters kommen noch die Kosten für den Kauf, Verkauf und die Verwaltung der verwendeten Produkte, wie beispielsweise Fondsanteile. Es lohnt sich also für Verbraucher, ganz genau hinzuschauen, wenn sie ihr Erspartes einer Maschine anvertrauen wollen.

Die Maschine als Investor?

Neben der Kritik an Kosten und Technik gibt es auch grundsätzliche Zweifel. Laufen die Roboter nicht einer Schimäre hinterher? Zu jeder (spekulativen) Geldanlage gehört in der Praxis nämlich eine Gegenpartei: Der eine kauft ein Wertpapier, das jemand anderes verkauft. Der eine setzt also auf steigende Kurse, der andere auf fallende (sonst würde er ja nicht verkaufen). Theoretisch ist also der Gewinn des einen Akteurs der Verlust des anderen.

Die Folge: Wenn alle Roboter optimal liefen, würden sie alle dieselbe Empfehlung ausstoßen und beispielsweise den Kauf von Aktien des Siemens-Konzerns empfehlen. Kein Robo-Advisor wäre dann allerdings bereit, Aktien des Siemens-Konzerns zu verkaufen.

Die andere Kundenberatung

Die Stiftung Warentest zählt einige elektronische Anlagevermittler zu den Robo-Advisoren. Easyfolio oder Ginmon, Comdirect oder Maxblue, die Portale der Commerzbank und der Deutschen Bank, das sind gängige Internetverkaufsstellen.

Nach einigen Fragen zur Risikoneigung des möglichen Kunden werden mehr oder weniger hauseigene Produkte angeboten. Eine wirkliche individuelle Kundenberatung sieht anders aus und müsste von »unabhängigen« Robotern erfolgen, die auf alle Produkte auf dem Finanzmarkt zurückgreifen können. Dann stellt sich allerdings wie bei der menschlichen Beratung die Frage, wer soll das bezahlen? Guter Rat ist nun einmal teuer.

Die Geldanlage per Maschine steckt noch in den Kinderschuhen. Die Produktpalette, die einige echte Robo-Advisoren verwalten, ist überschaubar klein. Nächster Schritt wären »lernende« Maschinen. Die sind zwar im Kommen - Industrie 4.0, 3D-Druck und Künstliche Intelligenz gehören dazu. Aber bis lernende Roboter-Ratgeber eigenständig Spargelder verwalten und in Portfolios stecken können, die dann auch den Markt schlagen, dürfte noch viel Zeit vergehen. Oder es gelingt nie.

Teil 3 in der kommenden Woche: Fintechs - Bankalternative und digitaler Finanzmanager?

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