Werbung

David Martin (Melbourne, 1950)

Unbekannte Bekannte

  • Von Walter Kaufmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Erfahrungen! Wie anders hätte er seinen in Wales angesiedelten Roman »Tiger Bay« schreiben können, einen zweiten »The Stones of Bombay«, einen israelischen dritten, den er »The Shepherd and the Hunter« genannt hatte? Er war weit älter als ich, an die fünfzig wohl: ein korpulenter Mann mit Glatze, rotem Bart und blauen Augen hinter dicken Brillengläsern. Er schielte leicht, seine vollen Lippen glänzten feucht. Beim Sprechen senkte er den Blick. Meist hörte er zu, nahm wachen Anteil an allem.

Dass er Jude und aus Ungarn war, wussten wir lange nicht. Den Namen Martin hatte er sich in Wales zugelegt, ehe er im spanischen Bürgerkrieg in den Interbrigaden Sanitäter wurde, aber auch das erfuhren wir erst nach dem Unfall, der während einer unserer Realist-Writers-Zusammenkünfte auf der Straße vor dem Haus passierte.

David war ans Fenster gelaufen, hatte erkannt, dass er gebraucht wurde, und kurz darauf sahen wir, wie er die schwer verletzte Frau mit dem Verbandszeug aus einem Auto versorgte. Die Besatzung aus dem Rettungswagen brauchte die Frau nicht weiter zu behandeln, hatte sie nur auf die Trage zu legen und fortzubringen. Als wir David fragten, woher er die Fähigkeiten habe, sagte er etwas von Sanitäter im spanischen Bürgerkrieg und das, so stellte ich mir vor, mochte gefahrvoller gewesen sein als manch ein Kampf mit der Waffe. Ich sah David, wie er im Kugelhagel bäuchlings auf Verwundete zukroch und sie versorgte wie soeben diese Frau.

Immer schon hatte ich sein Mitwirken im Verband als eine Bereicherung empfunden. Seine Überlegungen zu meinem ersten Roman, der im Entstehen war, hatte ich zu schätzen gewusst - nun umso mehr. Was er mir über Aufbau, Gliederung und Präzision erklärt hatte, war handfest und half sehr. Auch Weglassen gehöre dazu, hatte er betont, Wegstreichen, und dass zwischen den Zeilen viel verborgen sein müsse, wie bei Eisbergen unter Wasser: »Unsichtbares unter Sichtbarem«.

So entschlossen und selbstsicher, wie er der verletzten Frau beigestanden hatte, konnte er kein bloßer Träumer sein, kein bloßer Theoretiker. Auch sein Gedicht von der Jarama-Front, das wir später in einem Liederbuch aus dem spanischen Bürgerkrieg fanden, bewies das: »… mit Tank und Granaten griffen sie an, wir hatten nur Mut und Gewehre«, hatte er geschrieben. Ich bewunderte ihn sehr.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen