Von Roland Beck, Erlangen

Heimkehr ohne Hupe

Vier Jahre mit dem Fahrrad um die Welt

Peter Smolka auf dem weltgrößten Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien
Peter Smolka auf dem weltgrößten Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien

Dieser Mann hat buchstäblich ein Rad ab: Wenn Peter Smolka an diesem Donnerstag mit seinem Fahrrad gegen 16 Uhr in Erlangen eintrifft und am Rathaus empfangen wird, hat er rund 88 000 Kilometer auf dem Tacho. Am Gründonnerstag vor vier Jahren war der heute 56-Jährige zur bislang größten Radtour seines Lebens aufgebrochen: vier Kontinente, mehr als 50 Länder, einmal um die ganze Welt. Seinen gut bezahlten Job bei Siemens hatte der gebürtige Niedersachse für dieses Abenteuer aufgegeben. »Mein Arbeitgeber hatte mir sogar zwei Jahre Urlaub angeboten, aber für eine Weltumradlung braucht man mehr Zeit«, erzählt der Sportler, als er sich gerade auf seiner letzten Etappe befindet - von Jena nach Erlangen.

Smolka hat in den vergangenen vier Jahren viele Extreme erlebt. »In den Anden hatte es minus 20 Grad, in Botswana plus 45.« Am schwierigsten sei es für ihn aber in Mittelamerika gewesen, bei 35 Grad im Schatten und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. »Da ist mir der Schweiß tatsächlich von der Radlerhose bis in die Sandalen gelaufen.« Gesundheitlich hat Smolka die Radreise trotzdem gut weggesteckt. Nur einmal musste er zum Arzt - zum Zahnarzt. »In Thailand habe ich mir an einem Stein in einem Reisgericht einen Zahn ausgebissen.« Zum Zahnarzt ging er dann aber erst in Indien.

Seine erste Etappe führte Smolka von seiner Heimat Erlangen nach Wladimir, östlich der russischen Hauptstadt Moskau. Danach ging es über Zentralasien nach China. Am Anfang wurde der Informatiker von einigen Freunden auf seiner »Tour de Friends« begleitet. »Wenn man dann plötzlich ganz alleine ist, da überkommt einen schon die Einsamkeit, die aber nach ein paar Tagen wieder vergeht.« Smolka trat für den guten Zweck in die Pedale: Paten konnten die einzelnen Etappen mit Spenden unterstützen. Rund 20 000 Euro sind mittlerweile zusammengekommen. Der Erlös geht an die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen«.

Smolka hat auch die acht Partnerstädte Erlangens angesteuert und jeweils eine Grußbotschaft des ehemaligen Oberbürgermeisters Siegfried Balleis (CSU) übergeben. »Als er abgewählt wurde, war ich gerade in China«, erinnert sich Smolka. Kurioser Zufall: In Nicaragua traf er auf Balleis’ Nachfolger Florian Janik (SPD). Erlangen hat in dem mittelamerikanischen Staat eine Partnerstadt, die Janik gerade mit einer Delegation besuchte, als auch Smolka mit dem Rad eintraf.

Dort wurde es dann für Smolka richtig gefährlich: In Nicaraguas Hauptstadt Managua wurde der Ausdauer-Radler auf dem Weg zum Einkaufen überfallen und mit einer Machete bedroht. »Ich kam glücklicherweise mit einem blauen Flecken davon«. Er sei danach mehrere Wochen traumatisiert gewesen, schildert der 56-Jährige.

Smolka ist nicht der einzige Langstrecken-Radler. Nach Recherchen von Martin Moschek, der den Fahrradblog www.biketour-global.de betreibt, waren mit Stand Juni 2016 rund 50 Radler aus Deutschland unterwegs, die mindestens 10 000 Kilometer durch die Welt fahren wollten. Rekordhalter ist der Westfale Heinz Stücke, der mehr als 50 Jahre am Stück durch die Welt radelte und dabei 650 000 Kilometer zurücklegte.

Peter Smolka entdeckte seine Passion für lange Strecken 1978 kurz vor dem Abitur bei einer Radtour nach Schweden. Bei seiner Weltumradlung hatte er immer Ersatzteile im Gepäck, das deshalb meistens um die 40 Kilo wog. Achtmal musste Smolka das Tretlager wechseln. Die Reifen machten dagegen keine Probleme. Dank Spezialmischung hielt der erste Hinterreifen 25 000 Kilometer bis Shanghai, den Vorderreifen musste er sogar erst nach 35 000 Kilometer wechseln, im Süden der USA.

Und trotzdem drohte die Mission nach rund 60 000 Kilometern plötzlich zu scheitern: »Ich war total fertig und dachte über einen Abbruch nach«, erinnert sich Smolka. In einer kleinen Provinz in Argentinien war ihm sein Rad gestohlen worden. Es tauchte nie wieder auf. Der Erlanger musste sich zunächst mit einem »windigen Ersatzrad« begnügen, das er über 200 Kilometer neben sich herschob, weil es für Steigungen mit dem schweren Gepäck nicht geeignet war. »Andere Reiseradler boten mir sogar ihr eigenes Rad an, das hat mich wieder aufgebaut«, erzählt Smolka.

Sein Sponsor schickte schließlich ein Ersatzrad nach Kapstadt. Erst dann konnte die »Tour de Friends« planmäßig weitergehen. Trotzdem denkt der Sportler noch immer wehmütig an das Rad zurück, mit dem er am 28. März 2013 am Erlanger Rathaus aufgebrochen war: »Da war eine kleine Hupe in Form eines Krokodils dran, das hatte ich Max getauft. Max ist jetzt auch für immer weg.« dpa/nd

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