Exklusiv in feinster Gesellschaft

Das Münchner Peutinger-Collegium ist eines der einflussreichen Privatnetzwerke

  • Von Rudolf Stumberger, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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Er geisterte einige Tage durch die Münchner Lokalpresse: Der absolut geheime Klub »Contenance«, in dem nur die »Superreichen und die Männer« Zutritt hätten, Jahresbeitrag 50 000 Euro. Die Räume der noblen »Location« sei »eine Mischung aus den prachtvollen, goldverzierten Festsälen von Schloss Neuschwanstein und der Venusgrotte von Schloss Linderhof«, schrieb eine Zeitung. An den Wänden des ehemaligen, 350 Jahre alten Bierkellers hängen demnach Porträts von Kaiser Franz Joseph und König Ludwig II. Zu trinken gibt es in dem Luxusversteck Champagner von Laurent-Perrier und Beluga-Vodka, man isst mit goldenen Löffelchen und der Zugang erfolgt über einen Geheimgang. Frauen gibt es auch - gecastete Modells, die nur sprechen, wenn man sie auffordert.

Das Ganze erinnert ein wenig an den Roman »Geschichte der O.« und würde mit seiner Dekadenz zu München passen, ist aber wahrscheinlich nur ein PR-Gag. Und im Schatten derartiger greller Schlagzeilen bleiben wirklich exklusiven Vereinigungen in der Öffentlichkeit eher unsichtbar. Dazu gehört zum Beispiel das Peutinger-Collegium, ein Verein, der die Spitzen aus Politik, Adel, Wirtschaft und Wissenschaft einlädt und seine Veranstaltungen gerne im Nobelhotel Bayerischer Hof abhält.

»Unter den zahlreichen Zirkeln in München zählt das Peutinger-Collegium zu den außergewöhnlichsten«, schrieb bereits im Jahr 2001 die »Welt«. Das Blatt brachte es auf den Punkt, was das Collegium etwa mit dem einst exklusivsten Münchner Zirkel, dem »Herrenabend« von Herzog Franz von Bayern auf Schloss Nymphenburg, gemeinsam hat: Männer sind meist unter sich.

Das Selbstverständnis des Klubs orientiert sich an vordemokratischer Zeit: An »dem außergewöhnlichen Wirken und der überragenden Persönlichkeit des Augsburgers Konrad Peutinger (1465-1547)«. Der war in seiner Zeit Berater des Kaisers Maximilians I., Stadtschreiber von Augsburg, Herausgeber wichtiger Rechtstexte sowie in einer Person Rechtsgelehrter, Staatsmann, Historiker, Humanist und Universalgelehrter. »Als Vordenker der freien Marktwirtschaft und des freien Welthandels schuf er bleibende Werte für die Nachwelt«, heißt es auf der Homepage des Vereins. Und zu den Zielen des Collegiums gehört es, Vordenker zu exklusiven Vorträgen mit anschließenden »festlichen Abendessen« zu laden. Demnächst am 10. Oktober auf dem Programm: »Karl-Theodor zu Guttenberg, Ehemaliger Bundesminister, Chairman von Spitzberg Partners, New York Investment- und Beratungsfirma«.

Derzeit umfasst der elitäre Zirkel an die 200 Mitglieder »von qualifizierten, erfolgreichen, leistungswilligen und vielseitig interessierten, außergewöhnlichen, einflussreichen, national und international tätigen Persönlichkeiten der Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst, Politik, Diplomatie und Militär, Justiz und Verwaltung aus ganz Europa«. In der Tat gaben sich hier im Laufe der Jahre schon mal »Seine Königliche Hoheit Erzherzog Otto von Österreich«, der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus, Bundesverfassungsrichter a.D. Klaus Kirchhof oder »Nobelpreisträger Prof. Dr. Dres. h. c. mult. Friedrich August von Hayek« die Ehre.

Das 1969 neu gegründete Collegium ist eines der vielen privaten Zirkel, in denen sich die Eliten international vernetzen, eine »von öffentlichen Mitteln unabhängige interdisziplinäre Diskussionsplattform zum Informationsaustausch, der Meinungsbildung, sowie der Pflege von gesellschaftlichen Kontakten«, so die Eigenbeschreibung. Neben der europäischen Völkerverständigung steht der Klub für »freie Marktwirtschaft und den freien Welthandel, die christliche Toleranz und Nächstenliebe, die Verbundenheit mit Heimat, Sprache, Kultur und Natur und die Bodenständigkeit.«

Als Präsident fungiert Bernd Grottel, Vorstandsmitglied der »KPMG Bayerische Treuhandgesellschaft AG«, als Co-Präsident Christian Geissler, Chef der Beratungsfirma »Management Trainings, Commax Consulting« in Grünwald bei München. Durch den Vorgänger des heutigen Präsidenten war 2013 allerdings ein Schatten auf die feine Peutinger-Gesellschaft gefallen: Der Jurist, Rechtsanwalt am Tegernsee, wurde wegen Untreue in elf Fällen zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Das Collegium gilt als CSU-nah, was politische Abstecher in andere Gefilde aber nicht ausschließt: Am 16. November wird Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken, vor den Collegiums-Mitgliedern sprechen.

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