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Gesucht: Der kleine Michael in blauer Badehose

Im Prinzenbad tummeln sich bei gutem Wetter so viele Menschen, da wird es schon mal unübersichtlich

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 2 Min.

Im Prinzenbad war ich das letzte Mal vor zehn Jahren. Im Sommer 2007 verschaffte ich mir in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden eine Abkühlung. Früh oder spät, weil es nicht nur das Jahr des erfolgreichen Films »Prinzessinnenbad« war, sondern auch die Zeit der »erlebnisorientierten Jugendlichen«. Sehr prominent war die Zusammenrottung von mehr als 100 Jugendlichen im Juli 2006 im Sommerbad Pankow Sie wollten randalieren. Die Folge: Die Bäderbetriebe schrieben ein neues Sicherheitskonzept: Mehr Polizei und Wachschutz, lebenslanges Freibadverbot als Strafe.

Zehn Jahre später melde ich mich nun also zurück. Fertilisationsbedingt treibe ich mich heute am Kinderbecken herum. Hier waschen die jungen Badegäste sorgfältig ihre Chipstüten aus, ein kleiner Junge treibt mehrere Sekunden mit dem Kopf unter Wasser, bevor ein hektisch herbeilaufender Vater ihn herauszieht. Durch den Lautsprecher wird gerufen, dass sich der dreijährige Michael melden soll. Erkennungszeichen: blaue Badehose. Das ertönt über den Nachmittag noch dreimal - geschätzte Besucher bei 31 Grad im Schatten: eine Million.

Beim Hinausgehen läuft ein kleiner Junge neben uns her, rotes T-Shirt, blaue Jeans. Er sucht seine Mama. Wie heißt du, frage ich, er sagt etwas, das auf keinen Fall nach ›Michael‹ klingt. Ich habe hier einen Jungen, sage ich zur Security. Oh super, sagt der, und schnappt ihn sich. Das ist er! Er heißt aber nicht Michael, wende ich noch ein, und dass er keine blaue Badehose trägt, doch dann überwiegt mein Stolz, das Kind gefunden zu haben. Als wir einige Zeit später unsere Fahrräder aufschließen, tönen die Lautsprecher: »Der kleine Michael wird immer noch gesucht!«

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