Werbung

Sprachpolizist Spahn sorgt für Spott: »Poor guy«

CDU-Präsidiumsmitglied findet fremdsprachige Bedienung in Restaurants ganz ganz schlimm / »Wie viele Kellner wohl von Jens Spahn genervt sind?«

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Berlin. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn ist irgendwie genervt davon, dass er in der immer internationaler werdenden Hauptstadt Berlin mit der deutschen Sprache bisweilen nicht mehr weiter kommt. Weil sein Englisch so schlecht ist? Weil man Bockwurst nur auf Deutsch bestellen kann? Nun, so weit, so gut - doch der Unionspolitiker denkt nicht nur so, er muss es auch unbedingt aussprechen. »Mir geht es zunehmend auf den Zwirn, dass in manchen Berliner Restaurants die Bedienung nur Englisch spricht«, sagte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.

Wie es in Osnabrück mit der Sprache der Restaurant-Bedienungen ausschaut, ist nicht bekannt. Aber Spahn will wissen: »Auf so eine Schnapsidee käme in Paris sicher niemand.« Generell, also auch über die Gruppe von Kellnern hinaus, findet der 37-Jährige, dass in Deutschland das Zusammenleben nur gelingen könne, wenn alle auch Deutsch sprechen. »Das sollten und dürfen wir von jedem Zuwanderer erwarten.«

Im Internet sorgte der CDU-Sprachpolizist für entsprechende Reaktionen. »Ja. Dass alle auch Deutsch sprechen oder lernen, das dürfen wir von jedem Zuwanderer erwarten. Von jedem Touristen nicht, @jensspahn«, schrieb der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Der Chef der FDP in Rheinland-Pfalz, Volker Wissing, twitterte: »Und wie viele Kellnerinnen und Kellner wohl von Jens Spahn genervt sind???« Und Juliane Seifert, Bundesgeschäftsführerin der SPD, schrieb: »I'm feeling so sorry for him. Poor guy.«

Richtig ist wohl: Englisch hört man in der Hauptstadt in vielen Lokalen - vor allem in den so genannten Trend-Vierteln wie Neukölln, Kreuzberg und Mitte. Der Tourismus boomt, und die Stadt hat viele englischsprachige Neubürger, die »Expats«. Ist das ein Problem? Für einige offenbar schon. Auch der Berliner »Tagesspiegel«, Blatt des kleinbürgerlichen Westberlins, hatte im März bereits geschrieben: »Liebe Kellner, euer Englisch nervt!« Der Autor berichtete, dass ihn beim Frühstücken in einem französischen Restaurant in Neukölln die Kellnerin mit »Hello, how are you?« begrüßt habe. In der Tat: Eine Situation nahe am Ausnahmezustand. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen