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Nix mit »schnell und leise«

Beschäftigte wehren sich gegen Verlagerung von Hasse & Wrede-Werk nach Tschechien

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

Rund 100 Beschäftigte der Firmen Hasse & Wrede und KB PowerTech haben am Samstagmittag vor dem Brandenburger Tor für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen eine Ausweitung ihrer Arbeitszeiten protestiert. Hesse & Wrede fertigt in Marzahn Drehschwingungsdämpfer für Firmen wie MAN an. Der Mutterkonzern Knorr-Bremse will die Produktion im Herbst nach Tschechien verlagern. 125 Menschen verlören dadurch ihren Job (»nd« berichtete).

Die KB PowerTech - seit kurzem ebenfalls eine Tochter von Knorr-Bremse - soll dann in die Räume in Marzahn ziehen. Die Beschäftigten sollen ohne Lohnausgleich statt bisher 38 zukünftig 42 Stunden in der Woche arbeiten.

Seit März wehren sich die Mitarbeiter gegen die Ankündigungen des Konzerns. In der vergangenen Woche gab es erneut Gespräche zwischen der Firmenleitung von Hasse & Wrede und dem Betriebsrat. Dabei ist die Firmenleitung laut Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Berlin, nicht von ihren Plänen abgerückt.

Die Mitarbeiter sehen aber noch Hoffnung, dass das Werk in Marzahn doch erhalten bleiben kann. Denn sie sind sich sicher, dass sie auch in Berlin wirtschaftlich fertigen können. Außerdem haben sie Unterstützung aus der Politik erhalten. Sowohl die Bundestagsabgeordnete Petra Pau (LINKE) als auch der Berliner Senat hätten sich an Knorr-Bremse gewandt und sich für einen Erhalt des Standorts ausgesprochen, berichtet Abel.

Für ihn sind die öffentlichen Proteste der vergangenen Monate daher auch ein erster kleiner Erfolg: »Knorr-Bremse wollte das schnell und leise durchziehen, aber das konnte verhindert werden.« Das Einstehen füreinander habe außerdem dazu geführt, dass bisher nur die Hälfte der Beschäftigten von KB PowerTech die neuen Bedingungen, ohne Lohnausgleich sieben Stunden mehr pro Woche zu arbeiten, unterschrieben hätten.

Dem »nd« sagte ein Sprecher von Knorr-Bremse, beide Maßnahmen seien aufgrund von Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit unabdingbar. Der Konzern suche nach sozialverträglichen Lösungen für die 125 Mitarbeiter von Hasse & Wrede. Das Unternehmen stehe in Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Rund 60 Mitarbeiter könnten in anderen Berliner Unternehmen des Konzerns unterkommen.

Knorr-Bremse ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Der Hauptsitz ist in München, der Konzern hat aber insgesamt 100 Standorte in 30 Ländern. Eigentümer ist der deutsche Unternehmer Heinz Hermann Thiele. Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt steht er mit einem Vermögen von 13,1 Milliarden US-Dollar auf Platz 90. Das Manager Magazin stufte ihn 2016 auf Platz 8 der reichsten Deutschen ein. Öffentlich äußert er sich selten. 2013 gab er der Wirtschaftswoche ein Interview. Darin bedauerte er, dass die AfD nicht in den Bundestag eingezogen ist.

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