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Wieviel Ablöse kostet Merkel?

Bernd Zeller über astronomische Transfersummen, das Fußballproletariat und den Wahlkampf

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Unser heutiger Bericht hat die Ambition, Verständnis zu wecken dafür, dass ein Fußballspieler für die Ablösesumme von über 220 Millionen Euro den Verein wechselt. Bei großen Summen kommt schnell Neid auf, was ganz der menschlichen Natur entspricht. Seltener wird die Frage gestellt, wer das Geld letztlich erarbeitet hat, aber das ist in der heutigen Informationsgesellschaft ohnehin nachrangig. Jeder möchte gern so sein wie der, der es bekommt, nicht wie jemand, der es erarbeitet.

Im Falle des besagten Fußballers stammt das Geld aus Katar; ebenfalls ist der sympathische Wüstenstaat an dem Verein, den der Spieler verlässt, sowie an dem, zu dem er wechselt, in weitestem Sinne beteiligt. Wir sollten uns also eher Sorgen machen wegen der Gefahr einer neuen Finanzblase, diesmal im Sport, denn irgendwann könnte sich alles bei Katar konzentrieren, und dann bleibt kein Geld mehr zum Spielen. Das ist so, wie es Marx im »Kapital« beschrieben hat - allerdings ahnte er nicht, dass es einmal im Fußball so laufen würde; damals wurde in Fabriken gearbeitet und der Mehrwert durch den Fabrikbesitzer angeeignet.

Indes ist zu erwarten, dass analog zu Marx’ Vorhersage die Konzentration des Kapitals im Fußball zum Verelenden eines Fußballproletariats führen muss. Bevor einem als Beispiel hierfür Martin Schulz einfällt, sollte man an ehemalige Profis denken, die sich als Experten bei den Sendern andienen müssen, wo sie jederzeit hinausgeworfen werden können. Oder sie sind so verzweifelt, dass sie bei der Öffentlichkeitsarbeit für die WM in Deutschland etwas sorglos mit Geld hantieren, und wenn es herauskommt oder auch nur der Verdacht entsteht, dann stehen sie ohne Absicherung da und verlieren alle Sympathien. Dies ist auch einmal festzuhalten; als Teil des Showapparates leben die Spieler weitaus mehr von Sympathien als davon, beispielsweise Tore zu schießen oder zu halten, zumal die Werbung Identifikationsfiguren braucht für eine Kundschaft, die Sympathien zu vergeben hat, aber äußerst selten selbst in einem Fußballspiel tätig wird.

Auch hierzu ist eine hohe Ablösesumme nützlich und finanziert sich schon teilweise selbst, da bereits die Nachricht davon den Bekanntheitsgrad des Spielers steigert. Man guckt schon mal nur deshalb zu, um zu sehen, ob er sein Geld wert ist. Wahrscheinlich nicht, aber auch das ist unterhaltsam.

Eine solche Prominenz gestattet es etwa, ein Kinderbuch zu schreiben, genauer gesagt es verlegt zu kriegen, oder Modeartikel nach sich zu benennen, schützt jedoch davor, an Fernsehereignissen, die den Zusatz »Promi-« tragen, teilzunehmen. Andere müssen sich mit Verbrechen bekannt machen oder mit provozierender Kunst; bei beidem ist der volkswirtschaftliche Schaden größer.

Wenn immer mehr Geld für immer weniger Fußballer ausgegeben wird, könnte auch hierin eine Chance liegen, etwa für den Frauenfußball. Die Fußballerinnen würden zwar kaum mehr verdienen als das verarmte Fußballprekariat, aber sie wären mehr. Vereinswechsel wären den Frauen allerdings verwehrt, weil die Beauftragten fordern würden, dass Ablösesummen in gleicher Höhe fließen, und das könnten sich die Vereine nicht leisten.

Kommt es zum befürchteten Platzen der Fußballblase, wird ein Fußballrettungsfonds unumgänglich. Manche sagen, den haben wir schon, er heißt Rundfunkbeitrag.

Die diskutierte Rekord-Ablösesumme ist etwa auch die Größenordnung dessen, was unsere großen Parteien für den Wahlkampf ausgeben, wobei nichts über eine etwaige Teilhaberschaft von Katar bekannt wäre. Fußballfans werden finden, von dem Geld sollte man lieber einen Spitzenfußballer kaufen, andere befürworten die professionelle Wahlwerbung, durch die sich die Wähler in den Prozess der Parlaments- und Regierungsbildung einbezogen fühlen. Der eingesetzte Betrag wird nach Expertenmeinung jedoch nicht ausreichen, um die Kanzlerin abzulösen.

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