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Zelten, diskutieren, Kohlebagger blockieren

Am Freitag startet im Rheinland der Protest gegen Braunkohleverstromung / Klimacamps gibt es in vielen Ländern

  • Von Susanne Schwarz
  • Lesedauer: 4 Min.

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Gemeinsam zelten, gemeinsam diskutieren, gemeinsam protestieren: Am Freitag beginnt das Klimacamp im Rheinland in der Nähe von Köln. Wie schon in den vergangenen zwei Jahren findet parallel die wachstumskritische Degrowth-Sommerschule statt, außerdem hat die BUND-Jugend ebenfalls ein Zeltlager organisiert.

Dieses Mal will sich die Klimabewegung aber noch weiter öffnen. »Der Klimawandel steht ja als Thema grundsätzlich nicht isoliert da«, erklärt Johanna Winter, die das Klimacamp mitorganisiert, im Gespräch mit »nd«. »Es stört uns ja nicht einfach, dass es ein bisschen wärmer wird.« Die Folgen des Klimawandels träfen Menschen, die arm sind, wegen ihres Geschlechts oder ihrer Herkunft marginalisiert werden, besonders stark, kritisiert Winter.

Neben dem eigentlichen Klimacamp findet deshalb das neue Connecting-Movements-Camp statt, auf dem Klimaschutz etwa mit Antirassismus und Feminismus zusammengebracht werden soll. Außerdem wollen die Klimaschützer stärker auf die Bevölkerung im Revier zugehen. Veranstaltungen in den umliegenden Orten sollen erstmals einen breiten Austausch ermöglichen. In der Erkelenzer Stadthalle gibt es eine Podiumsdiskussion mit Gewerkschaftern über Alternativen zur Kohle und einen gerechten Strukturwandel.

Der Protest gegen die Kohle wird aber wohl dennoch im Vordergrund stehen: Das Aktionsbündnis Ende Gelände hat angekündigt, erneut Teile der Kohleinfrastruktur - also etwa Tagebaue oder Kraftwerke - blockieren zu wollen. Erstmals fand 2015 eine solche Aktion des zivilen Ungehorsams im Rheinland statt, im vergangenen Jahr zog Ende Gelände in die Lausitz. Etwa 6000 Aktivisten erwartet das Bündnis dieses Mal - das wäre Rekord. »Wir werden dabei ruhig und besonnen vorgehen, keine Infrastruktur beschädigen und keine Menschen gefährden«, sagt Janna Aljets von Ende Gelände.

In den vergangenen zwei Jahren war es trotz des friedlichen Auftretens der Aktivisten zu starken Konflikten mit der Polizei, die mit großem Aufgebot vor Ort war, sowie den Sicherheitskräften von RWE und Vattenfall gekommen.

Unter dem Motto »Zucker im Tank« gibt es in diesem Jahr allerdings auch einen Aufruf unabhängig von Ende Gelände, der Sabotageaktionen nicht ausschließt. Darin heißt es: »Was Gewalt ist und was nicht, welche Aktionsformen legitim sind und welche nicht, können und wollen wir nicht für alle festlegen.« Außerdem rufen noch weitere Protestgruppen sowie Umweltverbände zu Blockaden und (legalen) Demonstrationen auf.

Es ist in diesem Jahr das zweite Klimacamp in Deutschland. Bereits im Frühjahr hatte sich die Klimabewegung im Lausitzer Kohlereviergetroffen - diesmal nicht nur an einem Ort, sondern zu einer mehrtägigen Fahrradtour mit verschiedenen Stopps.

In Deutschland haben die Klimacamps im Rheinland und in der Lausitz schon mehrjährige Tradition. Ursprünglich stammt die Idee aus Großbritannien. Dort hatten Globalisierungskritiker ab 2006 begonnen, »Camps for Climate Action« zu organisieren, damit sich die Bewegung von den Rückschlägen erholen konnte, die der G8-Gipfel 2005 im schottischen Gleneagles gebracht hatte: Hier waren die Proteste von einem massiven Polizeiaufgebot im Keim erstickt worden.

Für die Klimabewegung sind die Camps seither zentral, meint der Sozialwissenschaftler Hendrik Sander. »Dort konstituiert sich die Bewegung als politische Gemeinschaft, entwickelt eine Gegenexpertise und erprobt praktische Alternativen im Camp-Alltag.« Die Zeltlager sind auch eine Art Homebase für Protestaktionen mit massenhafter Beteiligung wie etwa Ende Gelände. »Seit dem Klima- und Antirassismuscamp 2008 in Hamburg waren größere Protestaktionen in Deutschland immer mit einem Camp verbunden«, so Sander.

In immer mehr europäischen Ländern organisieren Aktivisten Klimacamps - im Juni beispielsweise erstmals in Tschechien. Nicht überall protestieren die Klimaschützer wie in Deutschland gegen die Kohlewirtschaft - in anderen Ländern kämpfen sie gegen Fracking-Bohrungen oder Gaskraftwerke.

Am Dienstag ist das zweite französische Camp zu Ende gegangen. Im südfranzösischen Weinbaugebiet Maury hatten sich mehrere hundert Protestler getroffen. Organisatoren waren die französische Sparte von Friends of the Earth sowie die französischen Klimaschutzgruppen Alternatiba und ANV-COP21.

Auch in Schweden hatten sich die Klimaaktivisten Anfang August zum Zelten und Politikmachen getroffen. Die Umweltverbände Fossilfritt Sverige, Jordens Vänner und Fältbiologerna sowie die lokale Kampagne Fossilgasfällan richteten ein Klimacamp nahe Göteborg aus, wo im Hafen ein neues Erdgasterminal entstehen soll.

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