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Washington und Seoul proben den Ernstfall

Großmanöver sorgt für neue Spannungen auf koranischer Halbinsel / Kritik aus Pjöngjang und Peking

Rund 50.000 südkoreanische und 17.300 US-Soldaten, von denen 3000 extra aus den Vereinigten Staaten eingeflogen wurden - das alljährliche Manöver »Ulchi Freedom Guardian« (Freiheitswächter) sorgt seit Montag für neue Spannungen in einer ohnehin fragilen Region. Auch wenn man in Washington und Seoul nicht müde wird zu betonen, dass es nach den nordkoreanischen Drohungen und Raketentests der jüngsten Zeit um eine vor allem computersimulierte Militärübung zu Verteidigungszwecken gehe, sieht sich Pjöngjang unmittelbar bedroht. Dort heißt es, dass so für eine Invasion geprobt werde, die eine »unkontrollierbare Phase eines Nuklearkriegs« auslösen könne.

Schließlich hatte US-Präsident Donald Trump im Konflikt um das Atomprogramm Nordkoreas Anfang August mit »Feuer und Zorn« gedroht. Generalstabschef Joe Dunford erklärte dieser Tage, dass die US-Armee dem Präsidenten »eine Optionen präsentieren« werde, sollte er sich für einen Militäreinsatz entscheiden.

Nordkorea besitzt nach SIPRI-Angaben bis zu 20 nukleare Sprengköpfe und entwickelt Mittelstrecken- wie interkontinentale Raketen. Das Land unterhält mit rund 1,3 Millionen aktiven Soldaten eine der zahlenmäßig größten Armeen der Welt. An den Berghängen nahe der Demarkationslinie sind bis zu 15 000 Artilleriegeschütze stationiert. Auf der Gegenseite stehen südkoreanische Streitkräfte mit 630 000 aktiven Soldaten (Reserve 2,9 Mio.). Die USA, die über etwa 7000 Atomwaffen verfügen, haben im Land 28 500 Soldaten der Luftwaffe, Marineinfanterie, Marine und des Heeres stationiert; den größten Teil nur 40 Kilometer von der Grenze entfernt. Etliche Geschwader mit F-16-Kampfjets und Bodenkampfflugzeugen des Typs A-10 sind einsatzbereit.

Hinzu kommen rund 50 000 Soldaten, die in Japan stationiert sind. Auf der von Nordkorea bedrohten westlichen Pazifikinsel Guam finden sich mehrere strategisch wichtige Militärbasen. Insgesamt unterstehen dem US-Pazifik-Kommando über 377 000 Soldaten und Zivilangestellte. Seine Schlagkraft übersteigt die nordkoreanische nach Expertenmeinung deutlich. Vor diesem Hintergrund nennt Peking die Lage auf der Halbinsel und in der Region »sehr heikel und anfällig«. Man denke nicht, »dass die gemeinsamen Übungen die gegenwärtigen Spannungen abbauen«, so eine Außenamtssprecherin am Montag.

Doch selbst in Seoul wächst die Kritik an solchen anachronistischen Manövern, weil sie vor allem den innerkoreanischen Dialog störten. Die Erinnerung an den Krieg vor über 60 Jahren mahnt. Damals starben etwa 4,6 Millionen Menschen; 20 Prozent der nordkoreanischen Bevölkerung kamen ums Leben.

Derweil ist der letzte nach dem Koreakrieg nach Norden übergelaufene US-Soldat nach Angaben seiner Söhne verstorben. Ihr Vater James Joseph Dresnok sei schon vergangenen November im Alter von 74 Jahren einem Herzanfall erlegen, teilten sie jetzt online mit. Mit Agenturen Seite 7

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