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Einfach mal Luft ranlassen

Deutschlands beste Kanuten hatten nach Olympia lange Urlaub, jetzt fahren sie bei der WM wieder um Medaillen

Thomas Konietzko hatte sich die Ausreden schon zurechtgelegt. Die Besten der erfolgsverwöhnten Kanuten hatten nach den Olympischen Spielen in Rio im vergangenen Sommer lange Pausen eingelegt - und ob des großen Trainingsrückstands hatte der Präsident des Deutschen Kanu-Verbands (DKV) mit schwächeren Leistungen gerechnet. Doch die Athleten machten ihrem Chef schon bei den Europameisterschaften in Plowdiw Mitte Juli erfreulicherweise einen Strich durch die Rechnung. »Wir hatten in Kauf genommen, dass wir mal nicht so erfolgreich sein werden, wie es alle von uns erwarten. Mit den überraschenden fünf Medaillen, davon vier goldenen, in den olympischen Bootsklassen schauen wir jetzt aber doch optimistischer auf die WM in Račice«, sagte Konietzko jüngst beim Trainingslager in Kienbaum.

Mittlerweile sind die Kanuten nach Tschechien gereist, wo ab Donnerstag um Titel gepaddelt wird. Eine Vorgabe will Konietzko noch immer nicht geben, aber ein paar Medaillen würde der Verband schon gern mit nach Hause bringen. Der Blick geht jedoch viel weiter in die Zukunft. »Wir wollen junge Sportler einsetzen, die vielleicht aktuell nicht die Schnellsten sind, es aber in drei Jahren in Tokio sein können. Wir wollen ihnen die Chance geben, sich zu beweisen«, umreißt der Verbandspräsident die Ziele für den nächsten olympischen Zyklus. Sein Sportdirektor Jens Kahl bringt es auf den Punkt: »Der DKV denkt nicht von Jahr zu Jahr, er macht eine Langzeitkonzeption in Vierjahresschritten. Wir wollen 2020 in Tokio erfolgreich sein. Dem sind die Jahre davor als Zwischenschritte untergeordnet.«

Dazu gehört es dann auch mal, die Altstars um Sebastian Brendel, Tina Dietze und Franziska Weber vier Monate gar nichts machen zu lassen. »Ich war nur ein Mal aus Langeweile laufen. Ansonsten habe ich endlich mal Urlaub gemacht, alle Familienmitglieder, Bekannte und Freunde besucht, die über die Jahre zu kurz gekommen waren«, berichtete Canadier-Doppelolympiasieger Brendel über den vergangenen Herbst. »Ich musste wirklich mal eine Pause machen, um das harte Training in den nächsten vier Jahren durchhalten zu können.« Auch Dietze ließ mal Luft ran: »Wir sind erst im Januar wieder ins Training eingestiegen. Dazu kamen Krankheiten, die wir in Ruhe auskuriert haben.« Geschadet hat es nicht: Brendel und Dietze wurden in Plowdiw trotzdem Europameister. Und in Račice kommen soeziell bei den Kanutinnen kaum Nationen hinzu, die nicht schon in den EM-Finals fuhren.

Nicht alle Deutschen ruhten sich im Winter aus. Der DKV pusht gerade zu Beginn eines Vierjahreszyklus seine Talente: »Wir stellen sie vor Herausforderungen in Einer- und Zweierbooten«, erklärt Bundestrainer Arndt Hanisch die Strategie. Eine solche Athletin ist Katharina Köther, die bei der EM im krankheitsgebeutelten Vierer aushalf und nun in Tschechien im Einer sprinten darf. »Natürlich will ich irgendwann in den Vierer, weil der die größten Medaillenchancen bietet, aber jetzt will ich erst mal die Chance nutzen, mich zu beweisen«, sagt die 21-Jährige aus Essen.

Die Arrivierten aus den größeren Booten zu verdrängen, wird jedoch nicht einfach. Dietze und Weber holten trotz Trainingsrückstands EM-Gold im Zweier. »Und wenn man Europameister ist, will man auch Weltmeister werden«, ließ Dietze eine Kampfansage folgen. »Die jüngeren Sportler haben im Winter voll durchgezogen, um an uns ranzukommen oder sogar vorbeizufahren«, ist sich auch Brendel der internen Konkurrenz bewusst. »Aber als Kanute denkt man im Vierjahresrhythmus. Olympia ist das Highlight.«

Eine Chance hätten zumindest die die jüngeren Frauen, schneller nach oben zu gelangen. Denn bei der WM 2017 rücken im Hinblick auf das neue Olympiaprogramm 2020 erstmals auch die Frauen in den Canadier-Disziplinen mit dem Stechpaddel in den Fokus - und hier hat Deutschland keine Stars zu bieten. »Da würden wir uns schon über Finalteilnahmen freuen, denn die Weltelite ist uns etwas enteilt. Wir haben weniger als 20 Frauen, aus denen wir auswählen können. So ist es schwieriger, einen gewissen Druck untereinander zu entwickeln«, gesteht Bundestrainer Hanisch. »Hier ist die Konkurrenz kleiner als in den anderen Abteilungen.«

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