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Talente statt Transferwahnsinn

Neues Nachwuchsleistungszentrum soll Nachteile des FC Bayern gegenüber europäischer Konkurrenz ausgleichen

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Uli Hoeneß ist zuversichtlich. »Über die kommende Saison mache ich mir wenig Gedanken«, sieht der Präsident des FC Bayern seinen Klub für die ehrgeizigen Ziele gut aufgestellt. Eines davon ist der Gewinn der Champions League. »Unsere Mannschaft hat die Möglichkeit und die Qualität dazu«, schürt Trainer Carlo Ancelotti Hoffnungen, die er in seinem ersten Jahr nicht erfüllen konnte. Nach fünf Jahren wurde erstmals wieder das Halbfinale verpasst. Sehr viel spricht nicht dafür, dass es in dieser Spielzeit besser wird.

Einen ersten Dämpfer könnten die Münchner Ambitionen schon an diesem Donnerstag bekommen. In Monaco wird die Gruppenphase ausgelost. Der FC Bayern ist als deutscher Meister im Topf eins. Da aber dort seit der vergangenen Saison nicht mehr die Klubs mit dem besten UEFA-Koeffizienten vertreten sind, sondern der Titelverteidiger und die nationalen Champions der sieben bestplatzierten Länder im Ranking des europäischen Verbandes, könnten schon im Herbst richtig schwere Gegner auf den FC Bayern warten: FC Barcelona, Atlético Madrid, Paris St. Germain, Manchester City oder Manchester United.

Angesichts dieser Konkurrenz macht sich Uli Hoeneß sehr wohl Gedanken. Den Vorsprung, den andere Vereine durch Investoren aus dem Nahen Osten und Russland haben, will er »durch geschicktes Taktieren« aufholen. Voller Stolz und Überzeugung sagte er das am Montag - bei der Eröffnung vom neuen Nachwuchsleistungszentrum des Klubs. Talente vom »FC Bayern Campus« statt »Transferwahnsinn«, wie Hoeneß die Verpflichtung Neymars für 222 Millionen Euro durch Paris St. Germain nennt, lautet das Münchner Motto.

Die neue Anlage an der Ingolstädter Straße ist durchaus beeindruckend. Auf einer Fläche von 30 Hektar sind innerhalb von zwei Jahren ein Stadion für 2500 Zuschauer, sieben weitere Fußballplätze, eine große Dreifachsporthalle, ein Fitnesshügel, ein Klubheim, eine Mensa sowie ein Internat für 35 Nachwuchsspieler entstanden. Die Münchner Arena ist in Sichtweite, gewissermaßen als Motivation und großes Ziel. Alle Jugendmannschaften, von der U9 bis zur U19, trainieren auf dem Campus, der gleichzeitig auch die neue Heimat der Bundesligafußballerinnen des FC Bayern ist.

Die 70 Millionen Euro für den Neubau sind sicherlich gut angelegt. »Nicht mal einen halben Neymar« habe es gekostet, witzelte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Montag in seiner Festrede. Ob irgendwann ein ähnlich guter Fußballer den Weg vom Campus auf den Rasen der Arena schaffen wird? Dafür bedarf es jedenfalls mehr als nur beste infrastrukturelle Voraussetzungen - dafür soll Hermann Gerland als Sportlicher Leiter sorgen. Der 63-Jährige hat schließlich schon Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Thomas Müller groß herausgebracht. Und auch David Alaba. Das war 2010. Danach schaffte kein einziger Spieler mehr den Durchbruch vom Talent zum Star in München. In der Nachwuchsarbeit hat sogar die nationale Konkurrenz einen Vorsprung. Förderkonzepte, Scouting, Kreativität - darin sind andere noch besser als der Rekordmeister.

Vielleicht ist es für Talente beim FC Bayern auch nicht so leicht, weil einer wie Hoeneß eben größer denkt. »Ich bin überzeugt, dass wir hier die richtige Antwort auf die Entwicklungen im internationalen Fußball geben können«, hofft er gleich auf künftige Weltstars aus den eigenen Reihen. Aber solange der Klub 19-Jährige wie Renato Sanches für 35 Millionen Euro kauft, werden es Eigengewächse immer schwer haben, sich durchzusetzen. Ob es irgendwann das nächste schafft, wird Trainer Carlo Ancelotti nicht mehr erleben. Das ist auch ganz gut so. Der Italiener ist ja nicht gerade bekannt dafür, dem Nachwuchs zu vertrauen. Und selbst die Arbeit mit dem gestandenen Münchner Personal genügt den Ansprüchen des FC Bayern nicht. Das machten die interne Analyse der vergangenen Saison und auch der Bundesligastart gegen Bayer Leverkusen deutlich.

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