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Das rassistische Klima der Amerikas

Im Kapitalismus geht die Ausbeutung von Mensch und Natur Hand in Hand, erinnert Alberto Acosta an die ungerechte Geschichte der Weltwirtschaft

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Der spanische Autor Paco Gómez Nadal hat einmal geschrieben, der Rassismus sei »ein ewiger Pickel am Arsch« der Bildung aller Nationen Amerikas, sowohl im Süden wie auch im Norden. Die amerikanischen Gesellschaften fußen auf einer Struktur der Rassismen und Ausgrenzung, ein Erbe der Kolonialzeit, das bis heute nicht überwunden ist. Mal mehr, mal weniger haben die Staaten des amerikanischen Kontinents die Enteignung und Zerstörung der indigenen Nationen und Völker institutionalisiert, genau so wie die Überausbeutung der Afro-Bevölkerung, all das im zeitlichen Zusammenspiel mit der unbarmherzigen Ausnutzung der Natur.

Die jüngsten Ereignisse in Charlotteville haben das Thema Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Nazismus und sogar Antisemitismus wieder neu ins Blickfeld gerückt. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Oberrassisten mit demokratischen Bürgern in Virginia erinnern uns daran, dass die Überwindung des Rassismus für Amerika und die ganze Welt eine dringende, weil ungelöste Herausforderung bleibt.

Erklärungen für das Geschehene sollten nicht nur beim Ku-Klux-Clan oder dem Nazitum mit Adolf Hitlers Vorstellungen von der Herrenrasse gesucht werden. Die Gewalt erklärt sich auch nicht allein durch die rassistischen Positionen von US-Präsident Donald Trump, auch wenn der Immobilienmagnat die Gewalt mit seinen Äußerungen anheizt. Wenn man dieses Verständnis wählt, bedeutet dies noch lange keine Vernachlässigung des aktuellen Geschehens in der US-amerikanischen Gesellschaft, in der »weiße« Gruppen gegen Menschen migrantischer Herkunft hetzen, so wie einer der rechten Führer in Charlotteville, der »sein Land zurückerobern« (»to take our contry back«) will.

Der Kapitalismus ist ein System, in dem das Kapital Natur und Menschheit mittels Formen patriarchalischer, kolonialer und imperialer Berherrschung unterordnet. Auf seiner historischen Reise von 1492 suchte Christoph Kolumbus Bodenschätze, inbesondere Gewürze, Seide, Edelsteine, und vor allem: Gold. Kolumbus Reise folgten die Conquista-Eroberung und Kolonisierung des Kontinents. Durch sie begann im Namen von Imperialmacht und christlichem Glauben - charakteristisch für den entstehenden Kapitalismus Europas - die ungebremste Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und ein Genozid an den verschiedenen indigenen Völkern. Später wurde die afrikanische Arbeitskraft, sie war extrem billig, in das System mit eingebaut. Seine Rechtfertigung fand es in all den alten rassistischen Vorstellungen, doch dazu später.

Mit der imperialen Expansion in Amerika, Afrika und Asien begann sich der Kapitalismus als eine Welt-Wirtschaft zu strukturieren. Seitdem entstanden Art und Weisen der extraktivistischen, patriarchalischen und kolonialen Kapitalakkumulation, die von der Nachfrage der metropolitanen Zentren des auftrebenden Kapitalismus abhängen. Die ausgebeuteten Weltregionen wurden auf den Abbau und die Produktion von Rohstoffen und Primärgütern spezialisiert. Die ausbeutenden Weltregionen kümmerten sich um das »moderne«: Manufakturen, Industrie, Technologie. Die ausgebeuteten Regionen exportieren Natur und beuten die menschliche Arbeitskraft über ihre Maßen aus. Die ausbeutenden Regionen importieren Natur und konzentrieren die Gewinne. Eine solche internationale Arbeitsteilung zementiert ein Austauschsystem, das in Handel, Ökologie, Technologie und auch menschlich bis in unsere heutige Zeit eine völlige Ungleichheit herstellt.

(Teil 2 folgt in einer Woche), Übersetzung: Benjamin Beutler

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