Werbung

Samsung-Dynastie bröckelt

Konzernchef des südkoreanischen Elektronikriesen wegen Korruption zu fünf Jahren Haft verurteilt

  • Von Finn Mayer-Kuckuk, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.

Südkorea ist um ein Drama reicher. Der Erbe und Chef des Samsung-Konglomerats, Lee Jae-yong, muss wegen Korruption für fünf Jahre ins Gefängnis. Richter in Seoul sahen es am Freitag als erwiesen an, dass Lee seinen Kontakten um Umfeld der Staatspräsidentin rund 30 Milliarden Euro zugeschustert hat, um die Gesetzgebung zu beeinflussen. Seine Anwälte wollen in Berufung gehen.

Die Verurteilung Lees kommt im Kielwasser eines noch größeren Skandals. Präsidentin Park Geun-hye ist im Frühjahr über ihre unsaubere Amtsführung gestürzt. Sie wartet im Gefängnis auf ihren Prozess. Ihre beste Freundin, der Lee das Geld zugeschustert hatte, sitzt bereits ihre Strafe ab. Der Richterspruch gegen den Samsung-Erben gilt als schlechtes Omen für den Prozess gegen die Ex-Präsidentin.

Lee ist der Kronprinz der Gründerdynastie des Elektrokonzerns Samsung und damit einer der mächtigsten Industriellen der Welt. Seit vier Jahren leitet er das Alltagsgeschäft des Konzerns. Mit einem Privatvermögen von rund sieben Milliarden Euro ist er der drittreichste Koreaner. All das hat ihn jedoch nicht vor Strafverfolgung geschützt.

Während Zuwendungen der Konzerne für willfährige Politiker in Südkorea früher eher üblich waren, wird die Gesellschaft heute immer transparenter und achtet auf Einhaltung der Regeln. Auch das Misstrauen gegenüber familiengeführten Konglomeraten wächst. Samsung macht 150 Milliarden Euro Umsatz, doch ohne die Lees läuft nichts.

Auch sein Vater stand einst wegen Korruption vor Gericht. Lee Kun-hee wurde 2008 verurteilt, weil er bestochen und Steuern hinterzogen hatte. Er erhielt jedoch nur eine Bewährungsstrafe, die der Präsident zudem per Begnadigung löschte. Der ältere Lee ist 75 Jahre alt und schwer krank. Er zieht jedoch vom Krankenhaus aus weiter die Strippen.

Der jüngere Lee hat bei der Pflege der Beziehungen zur Politik unglücklich agiert. Er brauchte die Unterstützung der Präsidentin, um Bedenken der Aufsichtsbehörden gegen einen Umbau des Konzerns zu zerstreuen. Grund ist anscheinend die Erbfolge: Nach derzeitigem Stand kann er die Firmen nur bei Zahlung hoher Erbschaftssteuer übernehmen - und nicht so strukturieren, wie er sie gern hätte. Doch statt Unterstützung von ganz oben hat er sich nun eine Gefängnisstrafe eingehandelt.

Der Schaden für Samsung ist kaum abzusehen. Das Image leidet unter der erwiesenen Korruption zusätzlich, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr hauptsächlich mit explodierenden Smartphones in den Nachrichten auftauchte. Es droht zudem ein Führungsvakuum: Vater Lee ist krank, während Sohn Lee in den Knast muss. Die Aktien von Samsung Electronics gaben am Freitag dennoch nur um ein Prozent nach. Die Börse hatte mit der Verurteilung gerechnet - und Samsung erwirtschaftete im zweiten Quartal üppige Gewinn.

Lee hatte im Prozess stets seine Unschuld beteuert. Er habe einerseits nichts von den Zahlungen gewusst. Andererseits habe Samsung für Zuwendungen keine Gegenleistung erwartet. »Wir sind daher zuversichtlich, dass ein Gericht in der nächsten Instanz das Urteil wieder aufhebt«, sagte sein Anwalt Song Wu-cheol. Zwei weitere Topmanager waren am Freitag ebenfalls zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln