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Monsun trifft kriegsgeplagtes Jemen

Starkregen fordert über ein Dutzend Todesopfer und erhöht Cholera-Gefahr

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es war ein Starkregen, wie es ihn in Jemen seit 20 Jahren nicht mehr gegeben hat: Das Wasser überflutete Straßen und Häuser, riss Müll mit sich fort, und führte internationalen Hilfsorganisationen erneut vor Augen, was in den kommenden Monaten bevorstehen könnte. Denn im Land breitet sich bereits eine Cholera-Epidemie aus. War noch vor einigen Monaten fast ausschließlich der Nord-Jemen rund um Sanaa betroffen, ist die Erkrankung nun auch anderswo angekommen. Verbreitet wird sie durch Trinkwasser, das durch Müll und Dreck verseucht wurde. Starke Regenfälle machen alles noch viel schlimmer: Wenn es eine Kanalisation gibt, dann ist sie marode. Müllverbrennungsanlagen gibt es nicht.

Jemens Administration fehlt ein Plan, wie es in dem Bürgerkriegsland weitergehen soll: Man sei mittlerweile schon froh, sagt Fadéla Chaib, Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation, wenn man es schaffe, genug Impfdosen, medizinische Güter, sauberes Trinkwasser ins Land zu schaffen; viel zu oft gelinge das nicht. Denn nicht nur sind die beiden schnellsten Verbindungen zu den am schwersten betroffenen Bevölkerungszentren im Nord-Jemen, der Flughafen von Sanaa und der Hafen von Hodeida, geschlossen. Zudem gelang es dem UNO-Sondergesandten für Jemen, Ismail Ould Scheich Ahmad, auch nicht, der Regierung des international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und den gegen ihn kämpfenden Huthi-Milizen Garantien abzuringen: »Es sind extrem komplizierte Verhandlungen«, sagt Scheich Ahmad: »Und es wird immer schwieriger.«

Nicht nur die humanitäre Lage bereitet Scheich Ahmad Sorge, sondern, dass es in den vergangenen Wochen mehrmals zu Kämpfen zwischen Huthi-Milizen und Brigaden des vom Ex-Präsidenten Ali Saleh geführten Allgemeinen Volkskongresses (AVK) kam, denen sich auch Einheiten des jemenitischen Militärs angeschlossen haben; beide Seiten waren bisher miteinander verbündet. Bei den Auseinandersetzungen geht es darum, dass sich die Huthi-Regierung weigert, AVK-Kämpfern einen Lohn zu zahlen.

Saleh kritisiert, die De-facto-Regierung der Huthi-Bewegung räume dem AVK zu wenige Mitspracherechte ein: »Wir haben die Waffen und wir haben die Männer, alles was die Regierung zu tun hat, ist unsere Dienste zu bezahlen, dann wird die Gerechtigkeit siegen«, sagte er in der vergangenen Woche bei einer Massendemonstration in Sanaa. Ein Sprecher der Huthi sagte indes, man spreche über die »Meinungsverschiedenheiten«. Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden, die die Gegenregierung unterstützen, über die Nachrichtenagentur IRNA anmahnen lassen, die »nationale Einheit« in Jemen gegen die »illegitime Regierung und die mit ihr verbündeten Besatzungskräfte« müsse bewahrt werden.

Auf Seiten der Hadi-Regierung gibt es derweil ebenfalls Streit. Im Mittelpunkt stehen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die sich mit Luft- und Bodentruppen an der von Saudi-Arabien geführten Internationalen Militärallianz zur Unterstützung Hadis beteiligen. Hadi, aber auch die Regierung in Riad werfen den VAE vor, Teile Jemens »kolonialisieren« zu wollen.

So haben die VAE eine strategisch wichtige, zu Jemen gehörende Insel besetzt. Sie liegt an der Einfahrt zum Bab al Mandab, der Verbindung zwischen Indischem Ozean und Rotem Meer. Auf Sokotra, einer isolierten Insel mit nur 42 000 Einwohnern und ausgedehnten Naturreservaten, hat man ohne Absprache mit der Hadi-Regierung damit begonnen, touristische Einrichtungen zu errichten.

Auch auf dem Festland haben VAE-Truppen Stützpunkte errichtet; in jemenitischen Medien werden die Soldaten immer wieder als Besatzer bezeichnet. Nachdem am Wochenende in Riad eine Maschine mit Präsident Hadi an Bord am Boden blieb, bestellte Road den VAE-Botschafter ein. Zuvor hatten Berichte die Runde gemacht, VAE-Truppen, die den Flughafen von Aden kontrollieren, hätten den Präsidenten die Landeerlaubnis erteilt; die VAE bestreiten dies. Hadi war allerdings auch am Sonntag noch nicht in Aden angekommen.

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