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Bildideen voll Saft und Kraft

Kaum einer prägte die Kunstszene der DDR so wie er: Zum Tode des Leipziger Malers Arno Rink

  • Von Harald Kretzschmar
  • Lesedauer: 3 Min.

»Für mich ist Realismus oder Nicht-Realismus eine Frage der Geisteshaltung und letztlich der Weltanschauung. Und Picassos «Guernica» ist unter dem Gesichtspunkt für mich hoher Realismus. Weil dort in verdichteter und unter die Haut gehender Form eine ganz treffende Aussage über reale Vorgänge im umfassendsten Sinne gemacht worden ist. Zum Realismus gehört für mich einfach die Verdichtung zum Symbolbild ... Unter Bildidee verstehe ich ein schon im Kopf geformtes Stück Gedankenwelt, in Richtung verdichteter Realität, in Richtung Symbolbild.«

Wer sich als Maler 1975 im Gespräch mit dem Kunstschriftsteller Henry Schumann so präzise zur für ihn wenig virulenten Frage eines möglichst recht sozialistisch eingefärbten Realismus zu äußern vermochte wie Arno Rink, der musste ein guter Lehrer für Jüngere sein. Einer, dem Bildideen von oft überraschender Neuartigkeit durch den Kopf gingen. Auf großen Leinwänden nahmen sie in furioser malerischer Konsequenz Gestalt an. Neben Studiengenossen wie Heinz Zander und Volker Stelzmann, Ulrich Hachulla und Wolfgang Peuker war er der Vitalste. Er bot voll Saft und Kraft sinnlich erlebbare Farbkultur, gesättigt mit latenter Erotik. Gleichzeitig politisch akzentuierte Bilder wie »Terror« oder »Die Unabhängigen« bereits Anfang der 1970er Jahre anzubieten - das signalisierte Aufbruch ins Unbekannte als Vorbild.

Und so wurde der 1940 im thüringischen Schlotheim Geborene und mit Studienbeginn 1962 Leipziger gewordene Künstler bald nach eigenen Studienjahren bei Bernhard Heisig und Werner Tübke der wahrscheinlich schulbildendste »Malermacher«. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst 1978 bis 2005 als Leiter die Fachklasse für Malerei und Grafik zu verkörpern, bürgte für eine seltene Lehrkompetenz.

Eigene Bilder oft jahrelang zur besten Komposition zu verdichten, blieb trotzdem sein Ehrgeiz. Die intellektuelle Geistigkeit einer Malerei in hoher technischer Perfektion als Leipziger Markenzeichen half er zu bewahren: Als einziger 1987 berufener Rektor eines Kunstinstitutes wurde er im Jahr 1990 wiedergewählt, und er amtierte bis 1995.

So konnte er in Leipzig für eine Kontinuität sorgen, die leider andernorts einer fragwürdigen Neuordnung geopfert wurde.

Oft genug ist in Rinks Kunst bereits ein Pandämonium der Verführungen und Verstörungen zu finden, das uns bei Bildern seines Schülers Neo Rauch oft ratlos macht. »Leipziger Schule« bleibt insofern ein Begriff, weil nach den Mustern der Rink-Epoche nun immer weitere individuelle Varianten zur Geltung kommen: Michael Triegels religionskritische Paraphrasen oder Tim Eitel Einsamkeitsmetaphern oder David Schnells explosive Verwirrungen - jeder Schüler ein eigener Kosmos.

Schade, dass erst für Frühjahr 2018 die längst fällig gewesene große Retrospektive »Arno Rink. Ich male!« im Leipziger Bildermuseum vorgesehen ist. Denn seit dem vergangenen Dienstag malt der bereits vom schweren Krebsleiden Gezeichnete nicht mehr: Sein Leben ist ausgelebt.

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