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Nahles, Wagenknecht und der »Talkshow-Sozialismus«

Ankommen in der Wirklichkeit: Warum die Arbeitsministerin etwas selbstkritischer über das Maximale und das Machbare reden sollte

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: 2 Min.

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Es ist Wahlkampf, das ist die Zeit, in der auch eine Arbeitsministerin mal eine Attacke reitet. In diesem Fall hat sich Andrea Nahles die Linksfraktionschefin vorgeknöpft - und die »Wirtschaftswoche« macht daraus eine Meldung: Nahles »wettert« gegen den »Talkshow-Sozialismus« von Sahra Wagenknecht.

Das ist interessant, zumal die Sozialdemokratin durchaus in dem Punkt recht hat, wo sie die Linksparteipolitikerin dafür kritisiert, diese würde am liebsten auf die SPD eindreschen. Auch die Art der Ansprache ist bisweilen, nun ja: gewöhnungsbedürftig. Wobei Nahles dabei unterschlägt, dass es auch in ihrer Partei Lautsprecher gibt, die offenbar damit beauftragt wurden, keinen Tag ohne einen Haudrauf-Satz gegen die Linkspartei verstreichen zu lassen. Wo die einen »Agenda« rufen, machen die anderen nicht weniger undifferenziert in umgekehrte Richtung Front.

An anderer Stelle ist dazu schon Kluges gesagt worden: »Diese wechselseitige ›Entlarvung‹ der Unglaubwürdigkeit blockiert die realexistierenden Kräfte der politischen Linken.« Nun gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie weit sie reicht, diese politische Linke. In jede denkbare Himmelsrichtung gibt es da rote Haltelinien und Mindestanforderungen. Und mal geht es um mehr Sozialismus, mal um möglichst weniger.

Womit wir wieder bei Nahles sind. Die hat nämlich kundgetan, sie »ertrage diesen Talkshow-Sozialismus von Frau Wagenknecht nicht, der immer das Maximale fordert und nie das Machbare in die Tat umsetzen will«. Worauf man antworten könnte, dass es auch ziemlich anstrengend sein kann, die Talkshow-Sozialdemokratie von führenden SPD-Politikern zu ertragen, die immer linke Politik als Forderung im Munde führen, dann aber nicht einmal das durchaus Machbare in die Tat umsetzen. Oder meint irgendwer ernsthaft, die Grenze des Möglichen ist in der Großen Koalition bereits erreicht worden?

Nahles hat die Linkspartei aufgefordert, sich »in Richtung Wirklichkeit« zu bewegen. Bitteschön, aber diese Wirklichkeit müsste dann auch die SPD einmal zur Kenntnis nehmen. Dass diese Partei schon wieder auf die nächste Rekordwahlpleite zusteuert - daran war, soviel ist sicher, jedenfalls nicht zu viel Talkshow-Sozialismus der Sozialdemokraten Schuld.

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