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Ganz entspannt zum Remis

Ihre Erstligapremiere läuft so, wie es sich Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus gewünscht hat

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Dass Berliner oft ziemlich großspurig daherkommen, ist Nicht-Hauptstädtern wohl bekannt. So verwunderte es auch keinen Fan von Werder Bremen, dass Gastgeber Hertha BSC in einer Videobotschaft vor dem Fußballspiel am Sonntagnachmittag so tat, als ob der Berliner Klub für den ersten Einsatz einer Schiedsrichterin in der 1. Bundesliga gesorgt hätte. Schließlich sei Berlin ja schon immer Vorreiter der Gleichberechtigung von Frauen gewesen: Die erste Abiturientin des Landes mag man noch als Berliner Verdienst ansehen. Aber auch die Erfinderin der Currywurst? Oder die Vereidigung der ersten Bundeskanzlerin im Berliner Reichstagsgebäude?

Am Ende dieser Peinlichkeit wurde Bibiana Steinhaus also im Olympiastadion willkommen geheißen. Der 38-Jährigen war das offensichtlich weniger wichtig als die Begrüßung von Bremens Trainer Alexander Nouri, der gerade ihr Aufwärmprogramm für ein Schwätzchen unterbrochen hatte. Sie war bemüht, alles nach einem stinknormalen Fußballspiel aussehen zu lassen - nichts anderes war es ja auch. »Ich mache das schon 20 Jahre lang. Es ist eben eine andere Liga. Wir müssen alle mal entspannt an die Sache rangehen«, hatte Steinhaus vorher gesagt.

Dass selbst die Berliner in dem Ereignis kaum Historisches erkannten, zeigte die relativ magere Zuschauerzahl. Nur 49 118 Zuschauer waren ins mehr als 70 000 fassende Stadion gekommen. Und die machten in der sechsten Minute klar, dass »der einzige Schiedsrichter mit blondem Pferdeschwanz« (Steinhaus) genauso ausgepfiffen wird wie jeder Mann, wenn »er« in einer strittigen Szene auf Foul entscheidet. Als Steinhaus in der zweiten Halbzeit den Berlinern gleich zwei Mal zurecht Elfmeter verwehrte, folgten die der Hertha nach. Persönliche Anfeindungen waren aber nicht zu hören - aber parallel auf Twitter zu lesen.

Überhaupt ließ Steinhaus in einer von Mittelfeldgeplänkel geprägten ersten halben Stunde ein bisschen Härte zu. Wer einen Pfiff schinden wollte, bekam keinen. Wer ihn aber verdiente, hörte ihn auch. Streithähne wurden beruhigt, ansonsten auf Verwarnungen verzichtet. »Wir Schiedsrichter müssen sowohl Freund sein als auch diejenigen, die Grenzen setzen«, beschrieb die Polizistin jüngst ihren Nebenjob.

Kurz nachdem sie gegen Herthas Per Skjelbred doch die Gelbe Karte zückte, vertändelte Werders Defensive in der 38. Minute den Ball und ließ die Berliner über Vedad Ibisevic und Vladimir Darida kontern. Als der Tscheche zur Schwalbe ansetzte, ließ Steinhaus weiterspielen, womit die Bremer nicht gerechnet hatten. Berlins Matthew Leckie lief weiter und hämmerte den Ball ins Bremer Tor. Werders Max Kruse beschwerte sich zaghaft, Steinhaus aber legte ihren Arm auf seine Schulter und ging mit ihm gemeinsam zum Anstoßpunkt. Keine Besonderheit für eine Schiedsrichterin, die von sich behauptet, »dass die Kommunikation mit Spielern und Trainern zu meinen Stärken gehört«. Wenn Kruse aber seinen Arm auf ihre Schultern gelegt hätte, wäre der Aufschrei vielleicht wieder so groß gewesen wie damals, als - die vierte Schiedsrichterin - Steinhaus am Spielfeldrand von Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola umarmt worden war.

Bremens Ausgleich durch Thomas Delaney in der 59. Minute hatte dann noch weniger mit der Schiedsrichterin zu tun, sondern viel mehr mit Herthas Passivität im eigenen Strafraum. Es sollte beim 1:1 bleiben.

Wie gesagt, ein normales Fußballspiel - ganz im Sinne von Bibiana Steinhaus. Sie ist keine Lautsprecherin. Ungerechtigkeiten offen anzuprangern war nie ihr Ding. Warum es mehr als 54 Bundesligajahre bis zu dieser Premiere dauerte oder ihr Sprung von der zweiten in die erste Liga zehn Jahre auf sich warten ließ, will sie nicht thematisieren, selbst wenn es Kolleginnen in Zukunft helfen könnte. »Für mich gilt es, nach vorn zu schauen«, sagt sie. Steinhaus muss diesen Kampf auch nicht führen. Dafür gibt es genügend andere. Sie will zeigen, dass Frauen genauso pfeifen können wie Männer. Nicht mehr, aber auf keinen Fall weniger.

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