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Erst Friedensikone, nun Hassfigur?

Suu Kyi will sich in einer Rede an Myanmars Bevölkerung erklären

  • Von Frederic Spohr, Bangkok
  • Lesedauer: 3 Min.

Wer von U2-Sänger Bono mit einem Lied geadelt wurde, von dem sollte man sicher sein können, dass er auf der richtigen Seite steht. In dem Song »Walk On« besingt Bono die myanmarische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Wer das Lied nach Myanmar schmuggelte, konnte mit bis bestraft werden. Heute liegen die Dinge anders: Aus der Oppositionellen ist nach ihrem Wahlsieg 2015 selbst eine mächtige Politikerin geworden - und sie macht sich immer stärker mit jenen gemein, die sie einst unterdrückten.

An der Grenze zwischen Bangladesch und Myanmar und spielt sich in diesen Tagen eine Tragödie ab. Nach einem Angriff militanter Rohingyas, einer muslimischen Minderheit im buddhistisch geprägten Myanmar, sind die Streitkräfte im westmyanmarischen Bundesstaat Rakhine zu einer schonungslosen Gegenoffensive übergangen.

Suu Kyi kann nicht allein für die Gewalt verantwortlich gemacht werden. Auch wenn sie De-Facto-Regierungschefin ist, bleibt ihre Macht in Myanmar doch begrenzt. Das Militär, das per Verfassung weiterhin ein Viertel des Parlaments kontrolliert, hat in vielen Bereichen freie Hand.

Bisher hat Suu Kyi die Gewalt gegen die Rohingyas in Myanmar aber nicht einmal kritisiert. Sie folgt der Argumentation des Militärs, dass sich der massive Kampfeinsatz ausschließlich gegen Aufständische richte. Ausländischen Medien und Nichtregierungsorganisationen warf sie vor, mit ihrer Unterstützung für die Rohingyas »den Terroristen« zu dienen. Zur Verbesserung der Lage der Rohingyas bewirkte sie in ihrer nun rund anderthalbjährigen Amtszeit kaum etwas.

Im Ausland wächst nun die Kritik an ihr: Einst wurde sie mit dem südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela in einem Atemzug genannt. Jetzt wird sie in der globalen Wahrnehmung aus der Reihe der großen Freiheitskämpfer hinauskatapultiert. Andere Friedensnobelpreisträger gehen auf Distanz. »Meine liebe Schwester, wenn der politische Preis deines Aufstiegs in das höchste Amt in Myanmar Schweigen ist, dann ist dieser Preis eindeutig zu hoch«, schreibt der südafrikanische Geistliche und Menschenrechtler Desmond Tutu.

Die pakistanische Kinderrechtlerin Malala Yousafzai sagt: »Ich habe wiederholt die schändliche Behandlung der Rohingyas verurteilt. Ich warte immer noch darauf, dass meine Friedensnobelpreis-Kollegin Aung San Suu Kyi das auch tut.« Und der frühere Direktor des norwegischen Nobel-Instituts, Geir Lundestad, sagte: »Ich bin sehr enttäuscht von ihrer Haltung«.

Hunderttausende haben eine Online-Petition unterschrieben, damit ihr der Friedensnobelpreis wieder aberkannt wird. »Was ist falsch daran ein Muslim zu sein, Suu Kyi?«

Doch ihr Schweigen hat Kalkül. Weite Teile der myanmarischen Gesellschaft hegen Ressentiments gegen Muslime. Wer in Myanmar Muslime verteidigt, der macht sich schnell unbeliebt. Und Suu Kyi ist jetzt Politikerin und braucht Wählerstimmen. Kommentar Seite 4

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