Werbung

Tanzen für Willkommenskultur

Zu einer antirassistischen Parade werden am Sonnabend 15 000 Teilnehmer erwartet

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Wir werden uns nicht daran gewöhnen, was vor unseren Augen passiert«, heißt es im Aufruf für die »Welcome United«-Parade. Sie findet eine Woche vor den Bundestagswahlen in Berlin statt. »Tod und Leid« herrsche auf den Fluchtrouten, und täglich würden hier Menschen »beleidigt, bespuckt und geschlagen«. Dennoch gebe es Hoffnung, sagt Newroz Duman, die die Parade mitorganisiert und bei Jugend ohne Rassismus (JoR) aktiv ist. »In den kleinsten Dörfern gibt es Willkommensinitiativen, die sich zum großen Teil 2015 gegründet haben. Täglich melden sich Ehrenamtliche bei uns, die Rat brauchen, aber viele dieser Gruppen sind nicht sichtbar.«

Allein aus dem Rhein-Main-Gebiet sollen acht Busse nach Berlin zur Parade kommen, aus insgesamt 20 Städten sollen Menschen anreisen. Viele hätten vor zwei Jahren, zur Hochzeit der Zuzugszahlen, angefangen, sich ehrenamtlich für Flüchtlinge zu engagieren, sagt Duman.

19 Wagen sollen am Samstag vor dem Bundesinnenministerium an den Start gehen und sich um 14 Uhr in Bewegung setzen. Mit dabei sind Flüchtlingsinitiativen wie das Roma Center Göttingen, Flüchtlingsräte und Selbstorganisierungen wie »Refugees4Refugees« aus Stuttgart - auch das Flüchtlingshotel City Plaza in Thessaloniki wird einen Wagen auf der Parade gestalten. Außerdem werden stadtpolitische Gruppen und solche, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, teilnehmen, darunter die Interventionistische Linke (IL), der Republikanische AnwältInnenverein (RAV) und Attac. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit bis zu 15 000 Teilnehmern. Außerdem gebe es in verschiedenen Städten im Vorfeld Veranstaltungen zum Thema. In Berlin wollen an diesem Donnerstag Aktivisten aus Belgrad und Thessaloniki über Solidaritätsstrukturen entlang der Balkanroute berichten.

Es stimme nicht, wenn die Bundesregierung sage, Roma seien in ihren Herkunftsländern sicher, sagt Kenan Emini: »In Serbien oder im Kosovo sind Roma und Sinti nicht geschützt und unter anderem Pogromen ausgesetzt.« Er engagiert sich bei der Kamapagne »Alle bleiben« gegen Abschiebungen. Emini zitiert eine Untersuchung, nach der viele Kinder nach der Abschiebung in ihre Herkunftsländer nicht mehr zur Schule gehen könnten. Die Folge sei klar: »Die kommen wieder - natürlich.«

Für Ruben Neugebauer, Sprecher der Flüchtlingsrettungsorganisation SeaWatch, die auf dem Mittelmeer Schiffbrüchigen hilft, zeige sich die neue Flüchtlingspolitik darin, dass Europa bereit sei, »dreckige Deals« mit der libyschen Küstenwache einzugehen, die offensichtlich geltendes Recht breche. »Die libysche Küstenwache, die im Auftrag der EU handelt, macht uns die Arbeit sehr schwer«. Die Kritik an seiner Mission, sie animiere Menschen zur Flucht, weist er zurück: »65 Millionen Flüchtlinge gibt es weltweit. Wer wirklich glaubt, dass ein 33 Meter langer Kutter ein Pull-Faktor für die Flüchtlinge sei, der muss sich die Sache etwas globaler anschauen«, rät er.

Berichten, die Krise auf dem Mittelmeer sei vorüber, hält er entgegen, dass die Besatzung der SeaWatch 1 erst am vergangenen Montagmorgen 27 Menschen aus Syrien vor der griechischen Insel Kos aus Seenot gerettet habe.

Im Hinblick auf die Bundestagswahl sagt die Organisatorin der »Welcome United«-Parade Newroz Duman, es sei klar, dass »grenzübergreifende Solidarität parteipolitisch keine Heimat hat und sich nicht auf die Parteien verlassen kann. Wer kein Wahlrecht hat, wird nicht repräsentiert. Aber damit werden wir uns nicht abfinden«. Anmelder Samee Ullah kündigt an: »So bunt, wie unser Netzwerk ist, so bunt werden wir auch auf die Straße gehen.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen